Stadtleben · Portraet
Basketball in Unterliederbach: die Skyliners
Neben der großen Eintracht behaupten sich die Skyliners Frankfurt als bekanntester Basketballklub der Stadt. Ein Porträt über einen Verein, der deutscher Meister und Europapokalsieger war — und um seinen Platz kämpft.
Frankfurt ist eine Fußballstadt, das steht außer Frage. Doch wer nur auf den Stadtwald und die Eintracht schaut, übersieht einen Verein, der in seiner Sportart ebenfalls schon ganz oben stand: die Skyliners Frankfurt — von 2011 bis 2024 als Fraport Skyliners bekannt, benannt nach dem langjährigen Hauptsponsor, dem Flughafenbetreiber Fraport. Im Jahr 2000 wurde der Klub deutscher Pokalsieger, 2004 deutscher Meister und 2016 Gewinner des FIBA Europe Cup. In einer Stadt, die für Aktienkurse und Apfelwein bekannter ist als für den Korbleger, ist das eine bemerkenswerte Bilanz — eine, die neben dem Spieltag im Stadtwald nur selten die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr zusteht.
Gespielt wird im Frankfurter Westen — und zwar, anders als oft angenommen, nicht in Höchst, sondern im benachbarten Unterliederbach. In der Ballsporthalle an der Silostraße, die rund 5.000 Zuschauer fasst, sind die Skyliners seit 1999 zu Hause; die Halle selbst steht schon seit 1988. Über die Jahre trug der Bau wechselnde Sponsornamen. Von 2011 bis 2021 hieß er Fraport Arena, später Süwag Energie Arena. Die Namensrechte am Gebäude gab der Flughafenbetreiber schon 2021 ab — Namensgeber der Mannschaft aber blieb Fraport weit darüber hinaus, bis 2024. Dass die Halle nur knapp hinter der Höchster Grenze steht, ist dabei mehr als eine Fußnote: Der ursprünglich angedachte Name „Ballsporthalle Höchst“ wurde eben deshalb wieder verworfen. Der Ort liegt weit weg vom Trubel der Innenstadt und doch mitten in einem Stadtteil mit eigenem, fast kleinstädtischem Charakter.
Diese Nähe ist der eigentliche Reiz. Wo das Fußballstadion im Stadtwald über fünfzigtausend Menschen fasst, sitzt man beim Basketball fast am Spielfeldrand; die Ränge stehen dicht am Feld, die Quietschgeräusche der Schuhe sind zu hören, und die Sekunden vor einem Freiwurf sind so still, dass man den Ball auf dem Parkett aufsetzen hört. Das Tempo, die schnellen Wechsel, die Körbe im Minutentakt — all das entfaltet in einer vollen Halle der Basketball-Bundesliga eine Wucht, die dem Fußball in nichts nachsteht, nur eben auf engerem Raum und in höherem Takt.

Ein Titel, der bleibt
Der große Moment der Vereinsgeschichte liegt im Jahr 2004, als die Skyliners deutscher Meister wurden — der bis heute einzige Bundesliga-Titel des Klubs und ein Beweis, dass die Stadt auch abseits des Fußballs Spitzensport hervorbringt. Der zweite große Wurf gelang zwölf Jahre später: 2016 gewann das Team unter Trainer Gordon Herbert den FIBA Europe Cup, einen europäischen Vereinstitel, der den Namen Frankfurts über den Kontinent trug. Derselbe Herbert führte sieben Jahre später die deutsche Nationalmannschaft zum Weltmeistertitel 2023 — ein Beleg dafür, welches Kaliber an der Silostraße schon am Seitenrand gestanden hat.
Seither ist der Weg, wie so oft im deutschen Basketball, ein Auf und Ab gewesen. 2023 stieg der Verein erstmals in seiner Geschichte aus der Bundesliga ab, nach fast einem Vierteljahrhundert im Oberhaus — und kehrte, ohne lange zu zögern, schon ein Jahr später als Zweiter der zweiten Liga dorthin zurück, wo er auch in der Saison 2025/26 wieder spielt. Bemerkenswert ist dabei ohnehin nicht die Platzierung, sondern die Rolle als Talentschmiede: Vom langjährigen Anführer Pascal Roller, der über zehn Jahre das Gesicht des Klubs war, bis zu Nationalspielern wie Danilo Barthel, Johannes Voigtmann und Isaac Bonga, der es bis in die NBA schaffte, hat Frankfurt Spieler geformt, die den Sprung zu größeren Adressen machten.
Deutscher Meister, Europapokalsieger — und das in einer Stadt, die fast nur vom Fußball redet.
Unterliederbach als Heimat
Dass die Halle im Westen steht und nicht in einer Erlebnisarena am Autobahnkreuz, passt zum Charakter des Vereins. Unterliederbach und das direkt angrenzende Höchst sind eigenwillige Orte mit historischem Kern und eigenem Selbstbewusstsein, die sich nie ganz der Innenstadt untergeordnet haben. Wer vor oder nach dem Spiel Zeit mitbringt, erreicht in wenigen Minuten den alten Ortskern von Höchst mit Schloss und Fachwerk, den wir in unserem Höchst-Guide beschreiben. Basketball und ein Stück Stadtgeschichte lassen sich hier gut verbinden.
Für den Frankfurter Vereinssport insgesamt sind die Skyliners ein wichtiges Signal. Sie zeigen, dass neben dem großen Fußballklub Platz ist für andere Sportarten, andere Hallen, andere Fangemeinden. Wer den Blick über den Tellerrand des Stadtwaldes wagt, findet ein überraschend breites Sportangebot — von den Ballsportlern in Unterliederbach bis zur wachsenden Laufszene, deren Reviere entlang des Mains wir in unserem Stück über das Laufen in Frankfurt abschreiten.
An einem Spielabend in Unterliederbach, wenn die Halle voll ist, der Ball durchs Netz rauscht und die Anhänger von den Sitzen springen, wirkt die Frage, ob Basketball in einer Fußballstadt eine Chance hat, seltsam abstrakt. Hier, für vier Viertel zu je zehn Minuten, ist die Antwort eindeutig. Es braucht nur die richtige Halle, das richtige Spiel — und Menschen, die diesen Sport ernst nehmen, auch wenn die Stadt draußen von etwas anderem redet.
Mehr aus Stadtleben
Alle Artikel →Stadtleben · Erklärstück
Der GrünGürtel: Frankfurts grüner Ring erklärt
Der Frankfurter GrünGürtel bedeckt rund ein Drittel des Stadtgebiets. Wir erklären seine Entstehung, den Rundwanderweg und die GrünGürtel-Verfassung von 1991.
Stadtleben · Reportage
Nachtdienst bei der Bahnhofsmission: Wer am Gleis 1 wach bleibt
Die Bahnhofsmission am Frankfurter Hauptbahnhof: Wer nachts am Gleis 1 hilft, wer dort ankommt und warum das blaue Schild oft die letzte Anlaufstelle ist.
Stadtleben · Reportage
Die Frankfurter Tafel: Zwölf Stunden zwischen Rampe und Ausgabe
Die Frankfurter Tafel im Alltag: Wie Ehrenamtliche Lebensmittel retten, sortieren und ausgeben — und warum die Schlangen an der Ausgabe zuletzt länger werden.

