Stadtleben · Erklaerstueck

Deutsche Bank Park: Ein Stadion im Wald

Seit 1925 steht das Waldstadion im Frankfurter Stadtwald. Wie aus einer Radrennbahn eine der lautesten Fußballarenen der Republik wurde – Zahlen, Namen, Geschichte.

Von Tobias Henn 4 Min. Lesezeit
Modernes Fußballstadion mit geschwungenem Membrandach zwischen hohen Bäumen im Abendlicht.
01Deutsche Bank Park, Stadtwald, 19:40 Uhr— Kurz vor Anpfiff liegt das Membrandach wie ein heller Ring über den Bäumen des Stadtwaldes.Foto: Zeit Frankfurt

Es gibt in Frankfurt wenige Orte, an denen so viel Stadtgeschichte in Beton, Stahl und Rasen gegossen ist wie im Stadtwald an der Mörfelder Landstraße. Das Waldstadion, seit 2020 offiziell Deutsche Bank Park, ist mehr als die Heimat von Eintracht Frankfurt. Es ist ein Stück Frankfurter Selbstverständnis, eine Arena, in der die Stadt an guten Abenden lauter wird, als sie es sich sonst erlaubt.

Eröffnet wurde das Stadion im Jahr 1925, mitten in den Bäumen des Stadtwaldes – weit genug von den Wohnvierteln entfernt, um Platz zu haben, und nah genug an der Stadt, um erreichbar zu bleiben. Über die Jahrzehnte wuchs die Anlage: eine Radrennbahn, ein Schwimmstadion, Leichtathletikbahnen. Lange war das Waldstadion ein ganzer Sportpark und kein reines Fußballstadion, ein grünes Gegenstück zur steinernen Innenstadt.

Seine großen Jahre als Fußballort erlebte das Waldstadion in der Nachkriegszeit. 1959 wurde Eintracht Frankfurt Deutscher Meister – mit dem Stadion im Wald als Heimstatt jener Mannschaft, damals noch ein weites Rund mit Laufbahn und flachen Wällen. Der Titel führte die Eintracht ein Jahr später bis ins Finale des Europapokals der Landesmeister, wo sie in Glasgow gegen Real Madrid mit 3:7 unterlag – bis heute eines der berühmtesten Endspiele der Fußballgeschichte. Für Frankfurt war es der Beweis, dass hier zwischen den Bäumen internationaler Fußball zu Hause sein konnte. Mehr zu jener Saison steht in unserem Rückblick auf die Meisterschaft von 1959.

Den entscheidenden Umbau brachte die Weltmeisterschaft 2006. Für das Turnier verschwand die alte, flache Schüssel mit ihrer Laufbahn, und an ihre Stelle trat ein steiler, dichter Rang, der die Zuschauer nah ans Feld holte. Darüber spannt sich seither ein markantes Membrandach, das in der Mitte offen bleibt, sich bei Regen aber über eine bewegliche Innenmembran schließen lässt. Aus dem weitläufigen Rund wurde eine reine Fußballarena, in der die Ränge so nah an den Rasen rücken, dass jeder Zweikampf zu hören ist.

Leere Zuschauerränge eines Stadions von oben, steile Tribüne mit farbigen Sitzschalen.
02Haupttribüne, Deutsche Bank Park, 16:05 Uhr— Vier Stunden vor dem Spiel liegen die steilen Ränge noch still und leer.Foto: Zeit Frankfurt

Vom Waldstadion zum Sponsorennamen

Der Name des Stadions ist in Frankfurt ein eigenes Kapitel. Bis 2005 hieß es schlicht Waldstadion, dann sicherte sich die Commerzbank die Namensrechte, und für fünfzehn Jahre stand Commerzbank-Arena über den Eingängen. Seit Juli 2020 heißt die Anlage Deutsche Bank Park. Nur zu den FIFA-Turnieren 2006 und 2011 trug sie vorübergehend neutrale Namen, weil die Sponsorenregeln der Weltverbände keine Bankenwerbung duldeten. Auf den Anzeigetafeln steht der aktuelle Name; in den Kneipen von Sachsenhausen und Bornheim sagen die meisten weiter nur Waldstadion – als wollten sie sich das Stück Erinnerung nicht abkaufen lassen.

Gewachsen ist über die Jahre auch das Fassungsvermögen. Nach dem WM-Umbau bot die Arena gut 50.000 Zuschauern Platz; ein Ausbau der Ränge hat die Kapazität inzwischen auf rund 59.500 Plätze für Bundesligaspiele erhöht. Die Lage im Stadtwald prägt dabei das ganze Erlebnis: Wer zum Spiel will, fährt mit der Straßenbahn hinaus, läuft die letzten Minuten durch den Wald, und plötzlich taucht der helle Ring des Daches zwischen den Stämmen auf. Kaum ein Stadion der Bundesliga ist so von Wald umstanden wie dieses. Das macht die Anreise entspannter als in mancher Innenstadtarena – wer den Weg plant, findet in unserem Park-and-Ride-Test die entscheidenden Hinweise.

An guten Abenden wird die Stadt hier lauter, als sie es sich sonst erlaubt.

Die Redaktion

Mehr als Fußball

Der Deutsche Bank Park ist längst nicht nur Eintracht. Zwischen den Spieltagen füllt er sich mit Konzerten, mit American Football, mit Großveranstaltungen, für die Frankfurt sonst keine passende Bühne hätte. Das schließbare Dach macht die Arena wetterfest genug für Termine, die andernorts vom Regen bedroht wären. In den Sommermonaten reiht sich das Stadion ein in die langen Frankfurter Abende, über die wir auch in unserem Open-Air-Überblick berichten.

Und doch bleibt der Fußball das Herz. An Europaabenden, wenn die Nordwestkurve die Fahnen hebt und das geschlossene Dach den Lärm wie einen Deckel auf die Ränge zurückdrückt, entsteht jene Dichte, für die das Stadion berühmt geworden ist. Gegner haben davon berichtet, Trainer haben den Auswärtsgang in den Stadtwald gefürchtet, und selbst nüchterne Beobachter geben zu, dass die Akustik hier eine eigene Waffe ist.

Wer heute im Stadtwald steht, sieht ein Stadion, das mehrere Frankfurter Epochen überlebt hat: die Sportbegeisterung der zwanziger Jahre, die Meisterjahre der Nachkriegszeit, den Umbau zur Weltmeisterschaft, die wechselnden Sponsorennamen. Die Bäume ringsum sind gewachsen, das Dach ist neu, der Rasen wird jede Woche gepflegt. Was bleibt, ist ein Ort, an dem Frankfurt regelmäßig zusammenkommt – und für neunzig Minuten vergisst, wie nüchtern es sonst gern tut.

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