Stadtleben · Guide

Ein Spieltag im Stadtwald: der Guide

Anreise, Ankunft, Ritual, Rückweg: Wer zum ersten Mal ins Stadion will, findet hier den kompletten Fahrplan für einen Eintracht-Heimspieltag im Deutsche Bank Park.

Von Tobias Henn 4 Min. Lesezeit
Menschen laufen auf einem Waldweg auf ein Stadion zu, dessen helles Dach zwischen Bäumen aufscheint.
01Waldweg zum Stadion, 13:40 Uhr— Die letzten Minuten führen durch den Stadtwald direkt aufs Stadion zu.Foto: Zeit Frankfurt

Der erste Stadionbesuch hat etwas Einschüchterndes. Wo geht man hin, wann fährt man los, wie findet man sich zurecht? Ein Heimspieltag von Eintracht Frankfurt im Deutsche Bank Park folgt zum Glück einem festen Rhythmus, den man schnell begreift. Wer ihn kennt, erlebt den Tag entspannt – wer ihn ignoriert, steht am Ende in der falschen Bahn im Gedränge. Hier also der komplette Fahrplan.

Der wichtigste Grundsatz: Ein Spieltag entscheidet sich schon vor dem Anpfiff, nämlich auf dem Weg dorthin. Das Stadion liegt tief im Stadtwald, an der Mörfelder Landstraße 362, weit von der Innenstadt entfernt – und die beste Anreise führt über Straßenbahn und S-Bahn. Die Straßenbahnlinie 21 endet zwar direkt an der Haltestelle „Stadion“, braucht vom Hauptbahnhof aber spürbar länger. Schneller ist die S-Bahn: Vom Hauptbahnhof erreicht man die gleichnamige Station mit den Linien S7, S8 und S9 in wenigen Minuten, von dort sind es noch einmal gut zehn Minuten zu Fuß durch den Wald. Das Auto ist keine gute Idee: Die Parkplätze sind begrenzt, die Zufahrten am Spieltag verstopft. Wie das Nahverkehrsnetz funktioniert, erklären wir in unserem RMV-Überblick; wer trotzdem mit dem Wagen kommt, sollte unseren Park-and-Ride-Test lesen.

Plant man die Anreise früh, gewinnt man das Wertvollste: Zeit. Die Tore öffnen meist rund 90 Minuten vor Anpfiff, und eine Stunde vorher im Stadion zu sein, ist kein Luxus, sondern die Grundlage eines guten Spieltags. Man kommt in Ruhe an, findet seinen Platz in einem Rund mit knapp 60.000 Plätzen, kann sich verpflegen und die Kulisse auf sich wirken lassen, statt in letzter Sekunde durch die Reihen zu hetzen.

Der Spieltag beginnt nicht am Anpfiff, sondern am Bahnsteig.

Ankommen und Ritual

Die letzten Minuten des Anmarschs führen durch den Wald, und das ist einer der schönsten Momente des Tages. Zwischen den Bäumen taucht das helle Dach des Stadions auf, der Strom der Menschen verdichtet sich, und die Vorfreude steigt mit jedem Schritt.

Nahaufnahme eines gefüllten Apfelweinglases und einer Bratwurst auf einem Stehtisch.
02Verpflegungsstand am Stadion, 14:05 Uhr— Geripptes und Bratwurst gehören für viele zum Spieltag wie der Anpfiff selbst.Foto: Zeit Frankfurt

An den Ständen rund um die Arena gibt es die klassische Verpflegung: ein Geripptes, eine Bratwurst, das Ritual vor dem Ritual. Wer die Frankfurter Trinkkultur noch nicht kennt, findet in unserem Apfelwein-Knigge die Grundlagen. Bei der Orientierung hilft ein Blick auf die Eintrittskarte: Dort stehen Tribüne, Block und Eingang. Rund um das Stadion führt ein Weg an den vier Tribünen – Nord, Ost, Süd und West – vorbei; die Nordwestkurve, die Heimat der aktiven Fans, liegt hinter dem Tor an der Nordseite.

Dann die Grundsatzfrage: Kurve oder Sitzplatz? In der Nordwestkurve steht man mittendrin, im Lärm, in der Bewegung, im Herzen der Fankultur – ein Erlebnis, das wir in unserer Kurven-Reportage beschrieben haben. Wer es lieber ruhiger mag und den Überblick sucht, ist auf einem Sitzplatz besser aufgehoben. Beides hat seinen Reiz, und beim ersten Besuch schadet ein Sitzplatz mit gutem Blick nicht.

Das Spiel und danach

Während des Spiels gilt: mitgehen, aber niemanden nachahmen, den man nicht versteht. Die Gesänge lernt man schnell, die Stimmung trägt einen, und spätestens beim ersten Tor ist die Anspannung verflogen. Getränke und Essen zahlt man am besten bargeldlos, das spart Zeit an den Ständen, an denen es in der Halbzeit voll wird.

Die eigentliche Kunst liegt im Rückweg. Nach dem Schlusspfiff strömen Zehntausende gleichzeitig zur Station „Stadion“, und die ersten Bahnen sind rappelvoll. Es lohnt sich, die Alternativen zu kennen: Statt der S-Bahn nimmt man die Straßenbahn 21, die den Andrang anders verteilt, oder man läuft gut eine halbe Stunde ostwärts durch den Stadtwald zur Station „Louisa“, wo die Linien S3 und S4 halten. Wer die erste Welle lieber an einem Stand abwartet, bis sich das Gedränge auflöst, kommt am Ende oft entspannter nach Hause als jene, die sich sofort in die volle Bahn stürzen.

Ist man einmal drin im Rhythmus, wird der Spieltag zur liebgewonnenen Gewohnheit: die Bahn, der Wald, das Gerippte, die Kurve, das Spiel, der lange Rückweg. Es ist ein Tag mit festen Stationen, an denen sich nichts ändern muss, damit alles stimmt. Und genau das ist das Schöne daran – ein Ritual, das die Stadt und ihren Verein verbindet, Woche für Woche, im Stadtwald.

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