Stadtleben · Guide
Laufen in Frankfurt: die schönsten Runden
Vom Mainufer über den Grüngürtel bis zur Nidda: Frankfurt ist eine überraschend gute Laufstadt. Ein Guide durch die besten Strecken, für die Feierabendrunde und den langen Sonntag.
Frankfurt hat den Ruf einer Stadt aus Beton und Glas, aus Bürotürmen und Bankenschluchten. Wer aber früh am Morgen oder am frühen Abend die Laufschuhe schnürt, entdeckt eine andere Stadt: eine, die zwischen Fluss, Wald und Feldern erstaunlich viel Platz zum Laufen lässt. Von der schnellen Feierabendrunde bis zum langen Sonntagslauf findet sich hier für jede Distanz ein passendes Revier – und meist ist das nächste keine zehn Minuten entfernt.
Der Klassiker ist das Mainufer. Flach, gut befestigt und über weite Strecken frei von Ampeln, zieht es an schönen Abenden ganze Ströme von Läuferinnen und Läufern an. Eine kompakte Runde beginnt am Eisernen Steg, führt auf der nördlichen Uferseite flussaufwärts bis zur Deutschherrnbrücke, quert dort den Fluss und kehrt auf der Sachsenhäuser Seite am Museumsufer zurück – gut vier Kilometer, ohne eine einzige Ampel. Wer mehr will, hängt westwärts die Schleife bis zur Friedensbrücke an und ist bei rund acht Kilometern.
Für schnelle Einheiten ist das Ufer ideal: keine Steigungen, kein Verkehr, ein gleichmäßiger Untergrund, auf dem sich ein Tempo halten lässt. Kein Wunder, dass hier viele trainieren, die im Herbst beim Frankfurt Marathon antreten und die flachen 42,195 Kilometer schon in der Vorbereitung unter den Füßen spüren wollen. Wer die Gegend auch abseits des Laufens erkunden möchte, findet in unserem Mainufer-Tag die passenden Stationen.

Weiter hinaus: Grüngürtel und Nidda
Wer mehr Ruhe und längere Strecken sucht, verlässt das Ufer und wendet sich dem Grüngürtel zu, jenem breiten Ring aus Wäldern, Wiesen und Feldern, der die Stadt umschließt und rund ein Drittel des Stadtgebiets bedeckt. Der markierte Rundweg misst insgesamt rund 70 Kilometer – niemand läuft ihn am Stück, aber er lässt sich in Etappen erschließen, oft stundenlang, ohne eine Hauptstraße queren zu müssen, auf weichem Boden und im Schatten der Bäume. Für lange Läufe am Wochenende gibt es in der Stadt kaum etwas Besseres.
Im Norden schließt sich die Nidda-Aue an, eine weite, offene Flusslandschaft. Eine schöne Strecke beginnt im Brentanopark in Rödelheim und folgt dem Fluss flussaufwärts über Praunheim und Hausen bis zum alten Flugplatz Bonames – rund neun Kilometer, fast durchweg auf autofreien Uferwegen entlang des renaturierten Ufers. Wer will, dreht dort um und läuft dieselbe Strecke zurück; die Aue trägt einen weit aus der Stadt hinaus, bis sie hinter dem Rücken verschwindet.
Zwischen Skyline und Streuobstwiese liegen in Frankfurt oft nur ein paar Laufminuten.
Die Redaktion
Höhenmeter: Stadtwald und Lohrberg
Nach Süden, jenseits des Mains, beginnt der Stadtwald, einer der größten Stadtwälder Deutschlands. Eine schattige Schleife lässt sich um den Jacobiweiher legen, vorbei an der Oberschweinstiege: weiche Waldwege, kaum Steigung, im Hochsommer ein paar Grad kühler als die Innenstadt. Ideal für die heißen Wochen, wenn das offene Mainufer zu sehr in der Sonne liegt.
Und wer Höhenmeter sucht, findet sie im Nordosten am Lohrberg. Über Seckbach schraubt sich der Weg hinauf zum Weinberg auf rund 185 Meter – von den tiefer gelegenen Vierteln ringsum gut 80 Höhenmeter am Stück, oben der weite Blick über die ganze Stadt bis zur Skyline. Ein kurzer, aber ehrlicher Anstieg, der die flachen Runden vergessen lässt; das Terrain haben wir in unserer Lohrberg-Reportage ausführlich beschrieben.
Die richtige Tageszeit
So gut die Reviere sind, so sehr entscheidet die Tageszeit über das Erlebnis. Im Sommer ist der frühe Morgen die beste Wahl, wenn die Luft noch kühl ist und das Licht flach über den Main fällt. Wer erst am Abend Zeit findet, sollte die heißen Nachmittagsstunden meiden und auf die schattigen Wege des Stadtwaldes ausweichen. Im Winter dagegen ist die Mittagszeit oft die einzige wirklich helle Stunde, in der sich eine Runde lohnt.
Auch die Ausrüstung will angepasst sein. Das Frankfurter Wetter ist wechselhaft, und wer sich auf einen langen Lauf begibt, sollte auf Regen gefasst sein: Zwiebelprinzip, wasserfeste Jacke und im Zweifel eine Runde weniger – der Grüngürtel läuft nicht weg.
Am Ende ist das Schöne am Laufen in Frankfurt gerade der Kontrast. In einer Stadt, die tagsüber von Zahlen, Terminen und Türmen regiert wird, öffnet sich am Fluss und im Grüngürtel ein anderer Rhythmus. Ein paar Kilometer genügen, und schon liegt zwischen dem Läufer und der Skyline eine Streuobstwiese, ein Waldstück, ein Stück Ruhe. Man muss nur die Schuhe schnüren und loslaufen.
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