Stadtleben · Guide
42,195 Kilometer durch Frankfurt
Vom Start an der Messe bis zum berühmten Zieleinlauf in der Festhalle: Wie der Frankfurt Marathon funktioniert, wo es am lautesten ist und was die Strecke so schnell macht.
Es gibt Läufe, die man wegen der Landschaft absolviert, und es gibt Läufe, die man wegen der letzten dreihundert Meter absolviert. Der Frankfurt Marathon gehört zur zweiten Sorte. Am Ende von 42,195 Kilometern durch die Stadt biegen die Läufer nicht auf eine schnöde Zielgerade ein, sondern in die Festhalle: über einen roten Teppich, hinein ins Halbdunkel unter der historischen Glaskuppel, begleitet von Musik und dem Lärm der Ränge. Wer diesen Zieleinlauf einmal erlebt hat, versteht, warum viele allein für diese Minute nach Frankfurt kommen.
Der Frankfurt Marathon zählt zu den ältesten Stadtmarathons Deutschlands; die Premiere datiert auf das Jahr 1981. Seither hat der Lauf mehrere Streckenführungen erlebt und sich zu einer festen Größe im internationalen Kalender entwickelt. Sein Termin liegt in der Regel Ende Oktober, wenn das Frankfurter Licht schon tief steht – kühl genug für schnelle Zeiten, mild genug für die Zuschauer am Straßenrand.
Und schnell ist dieser Kurs. Das Profil ist über weite Strecken flach, der Weg führt über breite Achsen, und zusammen mit dem milden Herbstklima macht ihn das zu einer der schnellsten Marathonstrecken Deutschlands. In der Spitze sind hier schon Zeiten von gut zwei Stunden und drei Minuten gelaufen worden, wie sie weltweit nur auf wenigen Kursen fallen. Auch wer sein eigenes Tempo erst aufbauen will, findet in der Stadt gute Bedingungen; wo man dafür am besten trainiert, steht in unserem Überblick zum Laufen in Frankfurt.

Die Strecke: ein großer Bogen durch die Viertel
Gestartet wird auf der Friedrich-Ebert-Anlage, dem breiten Boulevard am Rand des Messegeländes, in Sichtweite von Messeturm und Festhalle. Von dort schiebt sich das Feld zunächst durch das Bankenviertel und die Innenstadt, vorbei an den Hochhäusern, an denen auch unser Bankenviertel-Spaziergang entlangführt, ehe der Kurs nach Osten schwenkt. Weiter geht es über das Ostend, wo der Turm der Europäischen Zentralbank über den Dächern aufragt, und durch die dicht bewohnten Straßen von Nordend und Bornheim, wo an manchen Ecken die halbe Nachbarschaft am Rand steht. Später führt die Strecke über den Main nach Sachsenhausen und am Museumsufer entlang, ehe sie auf einer langen Schleife weit nach Westen ausgreift – durch das Gallus, bis hinaus nach Griesheim und Nied – und erst dann zurück in Richtung Ziel findet.
Wo es am lautesten wird
Für Zuschauer lohnt sich ein Plan. An einigen Stellen ballt sich die Stimmung besonders: Beliebt ist die Passage am Mainufer, wo die Läufer im Herbstlicht an den Museen vorbeiziehen, ebenso die belebten Ecken in Bornheim und im Nordend, wo Fremde abgeklatscht und Orangenschnitze über die Absperrung gereicht werden. Wer die einsamen Kilometer sehen will, stellt sich weiter westlich an die Strecke: Dort, jenseits von Kilometer dreißig, wird es still, und genau dort entscheidet sich für viele das Rennen.
Wer selbst mitläuft, sollte die Distanz respektieren. Ein Marathon verzeiht keine Fehler in der ersten Hälfte. Der flache Kurs verführt zu einem zu schnellen Beginn, und die Quittung kommt zuverlässig auf den letzten zehn Kilometern. Erfahrene Läufer teilen sich die Kräfte ein und sparen etwas für den Augenblick, in dem die Festhalle in Sicht kommt.
Wer in Frankfurt ins Ziel läuft, bekommt die große Bühne, die dem Marathon sonst so oft fehlt.
Die Redaktion
Der Einlauf, der alles wert ist
Dieser letzte Augenblick ist der eigentliche Grund, warum viele Frankfurt wählen. Von der hellen Straße geht es hinein ins Halbdunkel der Halle, die Akustik schlägt um, das Licht wechselt, und plötzlich läuft man über roten Teppich einem Zielbogen entgegen, während von den Rängen der Lärm herunterbrandet. Für Hobbyläufer, die nie eine Bestzeit jagen werden, ist dieser Moment die Belohnung für Monate im Verborgenen – für Läufe im Regen, für frühe Sonntage, für die einsamen Runden im Stadtwald.
Die Festhalle selbst ist ein Stück Frankfurter Geschichte, ein Kuppelbau aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert für Konzerte, Messen und große Auftritte, gleich neben dem Messegelände. Wer sich für das Areal interessiert, findet in unserem Messe-Guide mehr über das Gelände, das an Marathontagen zum Schauplatz für Zehntausende wird.
Nach dem Zieleinlauf ist die Stadt voll von Menschen mit Medaillen um den Hals und Wärmefolien über den Schultern, die in Cafés sitzen, die Beine ausstrecken und mit dem leicht ungläubigen Blick derer, die gerade eine sehr große Distanz bewältigt haben, in ihre Kaffeetassen schauen. Es ist einer der Tage, an denen Frankfurt seinen sportlichen Ehrgeiz offen zeigt – und an denen die Festhalle beweist, dass ein Ziel mehr sein kann als eine Linie auf dem Asphalt.
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