Stadtleben · Guide

Ein Tag am Mainufer: Vom Hafenpark bis zum Nizza

Das Mainufer ist Frankfurts längster Freiraum — dieser Guide macht daraus eine Tagesroute: morgens Skater im Hafenpark unter der EZB, mittags Museumsufer, abends der mediterrane Nizza-Garten. Mit Pausenplätzen, Einkehrtipps und den besten Blicken auf die Skyline.

Von Johanna Roth Aktualisiert am 8 Min. Lesezeit
Panorama des Mains vom Eisernen Steg mit Museumsufer und Skyline im Morgendunst.
01Eiserner Steg, 8:20 Uhr— Main, Museumsufer und Skyline im Morgendunst — Frankfurts längster Freiraum wartet auf seinen Tag.Foto: Zeit Frankfurt

Es gibt Städte, die haben eine Strandpromenade, und es gibt Frankfurt, das etwas Besseres hat: ein Flussufer, das auf wenigen Kilometern vom Basketballplatz zur Museumsmeile und vom Gründerzeitkai zum Palmengarten im Kleinformat wechselt. Das Mainufer ist der längste zusammenhängende Freiraum der Stadt — und wird doch von den meisten nur in Ausschnitten benutzt: hier eine Joggingrunde, dort ein Feierabendbier. Dieser Guide macht aus den Ausschnitten einen ganzen Tag. Die Route: vom Hafenpark im Osten flussabwärts bis zum Nizza im Westen, gut fünf Kilometer, mit Pausen, Einkehr und den besten Blickwinkeln auf die Skyline. Zu Fuß ist das ein entspannter Tag, mit dem Rad eine ausgedehnte Halbtagestour.

Der Morgen gehört dem Hafenpark und den Frühaufstehern

Etappe 1: Hafenpark (ab 9 Uhr). Beginnen Sie im Ostend, wo der Main noch nach Arbeit aussieht. Unterhalb des EZB-Turms liegt der Hafenpark, Frankfurts großzügigste Sportfläche: Skateanlage, Basketballfelder, Calisthenics-Geräte, dazwischen Wiesen. Morgens gehört der Beton den Skatern, die hier trainieren, bevor es voll wird — und es gibt kaum ein frankfurterisches Bild als dieses: Kickflips vor der Notenbank, die über den Euro wacht. Pausenplatz: die Stufen zum Wasser an der Weseler Werft, ein paar Schritte flussabwärts, wo alte Kräne an den Osthafen erinnern. Bester Blick: von der Flößerbrücke zurück auf die EZB, die sich morgens im Fluss spiegelt.

Etappe 2: Über die Flößerbrücke ans Südufer (gegen 11 Uhr). Wechseln Sie über die Flößerbrücke ans Sachsenhäuser Ufer. Hier wird der Main zur Wiese: breite Böschungen, alte Bäume, Ruderer auf dem Wasser — die Bootshäuser der Frankfurter Vereine reihen sich an diesem Abschnitt, und wer Glück hat, sieht einen Achter im Training vorbeiziehen. Der Weg bis zur Alten Brücke ist der ruhigste der ganzen Route, ideal für den mitgebrachten Kaffee. Wer früh Hunger hat, findet am Deutschherrnufer erste Einkehr; wer durchhalten kann, wartet aufs Museumsufer.

Zwischenhalt: die Alte Brücke und die Maininsel (gegen 11.30 Uhr). An der Alten Brücke lohnt ein kurzer Aufstieg, denn sie ist die historische Wurzel von allem: Jahrhundertelang war sie die einzige feste Mainquerung der Stadt, und von ihrer Mitte führt eine Treppe hinunter auf die kleine Maininsel, einen der am meisten übersehenen Orte der Innenstadt. Unten stehen Bäume, ein Ausstellungshaus der zeitgenössischen Kunst und Bänke mit Blick flussaufwärts — man steht mitten im Fluss, während über einem der Verkehr rollt. Für die Route ist die Insel ein perfekter Puffer: fünf Minuten Abstecher, gefühlt eine halbe Stunde Abstand.

Skater und Basketballspieler als Silhouetten im Hafenpark, dahinter ragt der Turm der Europäischen Zentralbank auf.
02Hafenpark, Ostend, 9:40 Uhr— Beton unter den Rollen, Geldpolitik im Rücken: Der Hafenpark ist Frankfurts unwahrscheinlichster Sportplatz.Foto: Zeit Frankfurt

Mittags wird das Ufer zur Kulturmeile

Etappe 3: Museumsufer und Schaumainkai (12 bis 15 Uhr). Zwischen Alter Brücke und Friedensbrücke reiht das Südufer seine Museen wie Perlen: vom Museum Angewandte Kunst über das Filmmuseum bis zum Städel, dessen Sammlung allein einen Tag füllen könnte. Für diese Route gilt: ein Haus, nicht drei — welches, entscheidet der Geschmack, eine Entscheidungshilfe gibt unsere Route über das Museumsufer an einem Tag. An vielen Samstagen kommt eine Attraktion dazu, die keinen Eintritt kostet: der Flohmarkt am Schaumainkai, dessen Fundstücke wir an anderer Stelle getestet haben. Einkehrtipp für die Mittagspause: das MainCafé an der Böschung unterhalb des Städel — unprätentiös, direkt am Wasser, im Sommer mit Liegestühlen. Bester Blick: vom Holbeinsteg, der als Fußgängerbrücke die Skyline frontal ins Bild setzt.

Etappe 4: Eiserner Steg und Römerberg-Abstecher (gegen 15 Uhr). Zurück ans Nordufer geht es über die berühmteste Brücke der Stadt. Der Eiserne Steg verbindet seit über 150 Jahren Sachsenhausen mit der Altstadt, behängt mit Liebesschlössern und fotografiert von jedem, der diese Stadt besucht — seine erstaunliche Entstehungsgeschichte als Bürgerprojekt erzählen wir in einem eigenen Stück. Wer mag, nimmt von hier den zehnminütigen Abstecher zum Römerberg; wer der Route treu bleibt, geht am Mainkai weiter Richtung Westen, vorbei an den Anlegern der Ausflugsschiffe.

Man braucht in Frankfurt kein Meer — man braucht einen freien Tag und die richtige Uferseite zur richtigen Stunde.

Der Abend gehört dem Nizza und der untergehenden Sonne

Etappe 5: Das Nizza am Untermainkai (ab 17 Uhr). Kurz vor der Untermainbrücke wird Frankfurt mediterran, und das ist wörtlich gemeint: Der Nizza-Garten nutzt die nach Süden gerichtete, wärmespeichernde Uferlage, um Pflanzen gedeihen zu lassen, die eigentlich ans Mittelmeer gehören — Feigen, Palmen, Zypressen. Die Anlage aus dem 19. Jahrhundert gilt als einer der größten Freiluftgärten mit mediterraner Bepflanzung nördlich der Alpen. Abends, wenn die Steinmauern die Tageswärme abgeben, ist es hier spürbar milder als drei Straßen weiter. Pausenplatz: die Bänke auf der oberen Terrasse, mit Blick über den Fluss auf die Türme des Westhafens.

Etappe 6: Sonnenuntergang, Seite nach Wahl (ab 20 Uhr im Sommer). Für das Finale haben Sie zwei Optionen. Entweder Sie bleiben am Nordufer und sehen von der Untermainbrücke zu, wie die Sonne hinter dem Westhafen versinkt. Oder Sie wechseln ein letztes Mal die Seite und setzen sich ans Sachsenhäuser Ufer zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke — dort, wo abends halb Frankfurt auf der Böschung sitzt und die Skyline langsam zu leuchten beginnt. Ein Ausflugsschiff zieht vorbei, irgendwo klimpert eine Gitarre, und für einen Moment wirkt diese Stadt, als hätte sie nie etwas anderes getan als Feierabend.

Praktisches für Radfahrer, Familien und Wiederholungstäter

Mediterrane Pflanzen und Palmenwedel des Nizza-Gartens, dahinter die Bögen der Untermainbrücke.
03Nizza, Untermainkai, 18:15 Uhr— Feigen, Palmen, Südwand: Das Nizza speichert die Wärme des Tages — und gibt sie abends großzügig zurück.Foto: Zeit Frankfurt

Zur Verpflegung ein Grundsatz, der die Route entspannt: Sie müssen nichts vorbestellen und nichts planen, denn das Ufer versorgt sich selbst. Im Osten übernehmen Kioske und die Gastronomie rund um den Hafenpark, am Museumsufer reicht das Spektrum vom Museumscafé bis zur Böschungsgastronomie, und zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke ist der Abstand zum nächsten Espresso nie größer als ein paar Hundert Meter. Die preiswerteste Variante bleibt trotzdem die beste: Proviant aus der Kleinmarkthalle oder vom Wochenmarkt, dazu eine Decke für die Böschung — das Mainufer ist einer der wenigen Orte der Stadt, an denen Picknicken nicht nach Verlegenheit aussieht, sondern nach Programm.

Ein Wort an die Radfahrer: Das nördliche Mainufer gehört zum Mainradweg und ist durchgehend fahrbar, aber zwischen Eisernem Steg und Untermainkai an schönen Wochenenden dicht bevölkert — hier ist Schritttempo keine Höflichkeit, sondern die einzige realistische Geschwindigkeit. Familien drehen die Route am besten um oder kürzen sie: Der Hafenpark ist mit Spielplatz und Sportflächen der beste Start- und zugleich der beste Endpunkt, und über die Brücken lässt sich jede Etappe einzeln bespielen. Im Hochsommer gilt die Regel des Flusses: Vormittags Nordufer (Schatten), nachmittags Südufer (Sonne auf der Skyline) — Fotografen halten es genau umgekehrt.

Und noch ein Hinweis für Wiederholungstäter: Diese Route verändert sich mit dem Kalender. Im August legt sich das Museumsuferfest über die Kais, im Winter gehört das Ufer den Spaziergängern mit Glühweinbecher, im Frühjahr den ersten mutigen Picknickdecken. Die Etappen bleiben dieselben, das Stück wird jedes Mal neu besetzt. Wer die Route häufiger geht, entwickelt außerdem eigene Abkürzungen und Lieblingsvarianten: die Runde nur östlich der Alten Brücke, wenn die Zeit knapp ist; die Doppelquerung über Holbeinsteg und Eisernen Steg als Feierabend-Achter; oder die verlängerte Version flussaufwärts bis zur Gerbermühle, wenn der Tag wirklich lang sein darf. Das Ufer verzeiht jede Improvisation — das ist vielleicht seine größte Qualität.

Menschen als Silhouetten auf der Uferböschung im Sonnenuntergang, ein Ausflugsschiff zieht auf dem Main vorbei.
04Sachsenhäuser Ufer, 20:55 Uhr— Der verlässlichste Programmpunkt der Stadt: Sonnenuntergang über dem Fluss, Publikum inklusive.Foto: Zeit Frankfurt

Am Ende des Tages, wenn die Silhouetten auf der Böschung langsam ins Dunkel sinken und die Bürotürme ihre Lichter anknipsen, versteht man, was dieses Ufer für Frankfurt ist: kein Park, keine Promenade, sondern das Wohnzimmer einer Stadt, die tagsüber so tut, als hätte sie keine Zeit. Man braucht hier kein Meer. Man braucht einen freien Tag, bequeme Schuhe und die richtige Uferseite zur richtigen Stunde — der Fluss erledigt den Rest. Er tut es seit Jahrhunderten, verlässlich, gebührenfrei und ohne Reservierung.

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