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Von Commerzbank Tower bis FOUR: Frankfurts Hochhäuser im Ranking

Nur eine deutsche Stadt hat eine Skyline, die den Namen verdient. Wir sortieren Frankfurts höchste Türme — vom Commerzbank Tower bis zum FOUR — mit Baujahr, Architekt und Anekdote. Und beantworten die Frage, die sich vor jedem von ihnen stellt: Was sieht man hier, und kommt man hinein?

Von Deniz Kaya Aktualisiert am 8 Min. Lesezeit
Frankfurter Skyline bei Sonnenaufgang, gespiegelt im ruhigen Main am Sachsenhäuser Ufer.
01Sachsenhäuser Mainufer, 5:55 Uhr— Bevor die Stadt aufwacht, steht die Skyline doppelt da — einmal im Himmel, einmal im Fluss.Foto: Zeit Frankfurt

Es gibt einen Ort, an dem sich Frankfurt selbst am besten erklärt: das Sachsenhäuser Mainufer, kurz nach Sonnenaufgang, wenn der Fluss noch glatt ist und die Türme doppelt dastehen — einmal im Himmel, einmal im Wasser. Keine andere deutsche Stadt hat dieses Bild. München hält seine Neubauten traditionell unter den Türmen der Frauenkirche, Hamburg schützt seine Kirchturmsilhouette, Berlin verteilt sich lieber in die Fläche. Nur Frankfurt hat sich entschieden, nach oben zu wachsen, und verfolgt das seit einem halben Jahrhundert mit bemerkenswerter Konsequenz: Die große Mehrheit der höchsten Gebäude des Landes steht hier, auf wenigen hundert Metern zwischen Bahnhofsviertel und Westend.

Zeit also, die Türme zu sortieren — nach Metern und Jahren, nach Architekten und Nutzern, vor allem aber nach den beiden Fragen, die sich vor jedem von ihnen stellen: Was sieht man, wenn man davorsteht? Und kommt man hinein?

Diese Skyline ist kein Zufall, sondern ein Beschluss

Dass ausgerechnet Frankfurt zur einzigen Hochhausstadt Deutschlands wurde, hat zunächst mit Geld zu tun. Nach dem Krieg war Berlin geteilt, und die Finanzwirtschaft der jungen Republik brauchte eine neue Adresse: 1948 nahm in Frankfurt die Bank deutscher Länder ihre Arbeit auf, aus der 1957 die Bundesbank wurde. Die Geschäftsbanken folgten dem Zentralbankgeld, 1998 kam die Europäische Zentralbank hinzu — und Banken brauchen Büroflächen in Laufweite zueinander. Wo Fläche knapp ist und Nähe alles, wächst die Stadt nach oben.

Der zweite Grund ist unbequemer. Anfang der Siebzigerjahre entkernten Spekulanten die Gründerzeitvillen des Westends, Bürger besetzten Häuser, der „Frankfurter Häuserkampf" wurde bundesweit zum Begriff. Die Stadt zog daraus eine Lehre, die bis heute trägt: Seit 1998 legt ein Hochhausrahmenplan fest, wo Türme stehen dürfen — nämlich gebündelt an wenigen Stellen, statt verstreut über Wohnviertel. Deshalb wirkt die Frankfurter Skyline wie aus einem Guss: Sie ist keine Ansammlung von Einzelfällen, sondern das Ergebnis von Planung. Man könnte auch sagen: Diese Silhouette ist ein Verwaltungsakt, und ausnahmsweise ein schöner.

Das Kapital, das die Türme bezahlt, wird übrigens ein paar Schritte weiter verhandelt — an der Börse am Börsenplatz, vor der seit 1988 Bulle und Bär Wache stehen, und in dem Index, der der Stadt regelmäßig Fernsehbilder beschert: dem Dax. Genug Kontext. Die Liste.

An der Spitze trennen zwei Türme nur zwei Meter

1. Commerzbank Tower — 259 Meter, 1997, Architekt: Norman Foster. Das höchste Gebäude Deutschlands steht nicht an einer Prachtstraße, sondern eingekeilt zwischen Kaiserplatz und Großer Gallusstraße; wer davorsteht, sieht die Spitze gar nicht, nur eine gelbe Kante, die im Himmel verschwindet. Foster entwarf einen „ökologischen Wolkenkratzer", was damals wie Werbesprache klang und keine war: dreieckiger Grundriss, ein Lichthof in der Mitte, neun viergeschossige Gärten, die sich spiralförmig nach oben schrauben, Fenster, die sich tatsächlich öffnen lassen. Mit Antenne misst das Haus rund 300 Meter, und nachts leuchtet die Spitze gelb. Kommt man hinein? Nein — die Gärten bleiben denen vorbehalten, die hier arbeiten. Der Turm gehört der Stadt trotzdem: als Fixpunkt, den man von fast jeder Straßenecke aus sieht.

2. Messeturm — 257 Meter, 1991, Architekt: Helmut Jahn. Zwei Meter fehlen ihm zur Spitze der Liste, aber keinem Frankfurter Hochhaus gehört mehr Zuneigung. Als der Messeturm fertig war, war er das höchste Gebäude Europas und stand am Messegelände noch ziemlich allein — ein postmoderner Solitär mit rötlicher Granitfassade, der die klassische Wolkenkratzer-Dramaturgie durchdekliniert: quadratischer Schaft, zylindrischer Hals, Pyramide als Pointe. Die Stadt taufte ihn sofort „Bleistift", und der Name sitzt bis heute. Wer an der Friedrich-Ebert-Anlage davorsteht, versteht, warum Hochhäuser Spitznamen brauchen: Sie werden dadurch Nachbarn. Hinein kommt nur, wer hier arbeitet oder einen Termin hat — zu sehen gibt es von außen trotzdem genug.

3. FOUR, Turm T1 — 233 Meter, 2025, Architektur: UNStudio. Der jüngste Eintrag in der Spitzengruppe ist eigentlich ein Vierfacheintrag: Auf dem ehemaligen Deutsche-Bank-Areal zwischen Junghofstraße und Großer Gallusstraße stehen seit 2025 vier Türme unterschiedlicher Höhe, der höchste davon mit den höchstgelegenen Büroetagen des Landes. Die eigentliche Nachricht ist aber eine andere: Der Block war rund vier Jahrzehnte lang für die Öffentlichkeit verschlossen, eine verbotene Stadt mitten in der Innenstadt. Jetzt führen öffentliche Passagen hindurch, unten liegen Läden und Gastronomie, in zwei der Türme wird gewohnt. Wer davorsteht, sieht deshalb weniger ein Hochhaus als ein Stück neue Stadt — und ja: Hinein kommt man, zumindest bis zur Ladenzeile.

Blick in die Häuserschlucht der Neuen Mainzer Straße, Glasfassaden links und rechts fangen das schräge Morgenlicht.
02Neue Mainzer Straße, 8:40 Uhr— Frankfurts einzige echte Häuserschlucht: links Glas, rechts Glas, dazwischen ein Streifen Himmel.Foto: Zeit Frankfurt

Im Mittelfeld lässt die Skyline Besucher hinein

4. Westendstraße 1 — 208 Meter, 1993, Architektur: Kohn Pedersen Fox. Der Turm der DZ Bank ist der eleganteste Auftritt der Liste: ein heller, klassisch gegliederter Schaft, auf dem eine offene „Krone" sitzt, die je nach Licht wie Schmuck oder wie eine Antennenskulptur wirkt. Die New Yorker Architekten bauten hier Anfang der Neunziger amerikanische Hochhauskultur nach Hessen — mit einer Verbeugung: Die Krone neigt sich leicht Richtung Innenstadt. Öffentlich zugänglich ist das Haus nicht, aber es steht am Übergang zum Westend, wo die Türme unvermittelt auf Gründerzeitfassaden treffen; die Ecke lohnt den Umweg.

5. Main Tower — 200 Meter, 1999, Architektur: Schweger + Partner. Der Turm der Landesbank Helaba ist der demokratischste der Stadt: der einzige Wolkenkratzer Frankfurts mit öffentlicher Aussichtsplattform. Zwei Aufzüge, ein paar Sicherheitsschleusen, dann steht man im Freien über der Stadt und begreift die Geografie dieser Skyline auf einen Blick — Bankenviertel, Messeturm, im Osten die EZB, dahinter Taunus und Flughafen. Unterhalb der Plattform liegt ein Restaurant, im Foyer hängt Kunst, die man ohne Ticket sehen kann. Wenn Sie nur ein einziges Hochhaus dieser Liste betreten wollen: dieses.

6. Tower 185 — 200 Meter, 2011, Architekt: Christoph Mäckler. Sein Name ist die beste Anekdote der Liste: Geplant war das Haus am Rand des Europaviertels mit 185 Metern, im Lauf der Planung wuchs es auf 200 — aber der Projektname war da schon in der Welt und blieb einfach stehen. Ein Turm, benannt nach einer Höhe, die er nicht hat: ehrlicher kann ein Bürogebäude kaum kommunizieren. Hauptmieterin ist die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC; entsprechend bleibt es bei der Ansicht von außen, am besten von der Friedrich-Ebert-Anlage, wo die geschwungene Fassade den Blick zum Messeturm rahmt.

7. Omniturm — 190 Meter, 2019, Architektur: Bjarke Ingels Group. Das Haus mit dem Hüftschwung: Auf halber Höhe schieben sich die Geschosse ein paar Meter aus der Achse und wieder zurück — genau dort, wo gewohnt statt gearbeitet wird. Der Knick ist also keine Laune, sondern Programm: Der Omniturm war das erste Hochhaus im Bankenviertel, das Büros, Wohnungen und öffentliche Nutzung ernsthaft mischt. Wer an der Ecke Große Gallusstraße davorsteht, sieht der Skyline beim Lockern der Krawatte zu.

Jede Frankfurter Dekade hat ihren Turm — man kann die Geschichte dieser Stadt an ihren Dächern ablesen.

8. und 9. Trianon und EZB — 186 und 185 Meter. Das Trianon (1993, Mainzer Landstraße) trägt sein Erkennungszeichen auf dem Kopf: eine umgedrehte, zwischen die drei Gebäudekanten gespannte Glaspyramide, über deren Sinn man streiten kann und die man nie wieder vergisst. Die Europäische Zentralbank (2014, Architektur: Coop Himmelb(l)au) ist der Ausreißer der Liste — der einzige Turm weit draußen im Ostend, zwei verdrehte, durch ein gläsernes Gelenk verbundene Scheiben über der denkmalgeschützten Großmarkthalle von 1928. Hinein kommen Besuchergruppen nach Anmeldung; allen anderen gehört der Blick vom Mainufer, der zu den besten der Stadt zählt.

Die älteren Türme erzählen die Vorgeschichte

Unterhalb der 180 Meter beginnt die Archäologie der Skyline. Der Silberturm an der Jürgen-Ponto-Straße, 166 Meter, war bei seiner Fertigstellung 1978 das höchste Haus der Republik — gebaut für die Dresdner Bank, heute arbeitet dort die Deutsche Bahn. Die Zwillingstürme der Deutschen Bank an der Taunusanlage (155 Meter, 1984) verspiegeln sich gegenseitig und heißen im Volksmund „Soll und Haben". Und das Westend Gate von 1976, mit dem die ganze Höhenkonkurrenz einst begann, beherbergt seit Jahrzehnten ein Hotel. Wer diese drei abläuft, hat die Frankfurter Nachkriegsgeschichte in Kurzform absolviert: Wiederaufbau, Bankenboom, Weltstadt-Ehrgeiz.

Die gestufte Pyramidenspitze des Messeturms ragt vor tiefblauem, wolkenlosem Himmel auf.
03Messeturm, Friedrich-Ebert-Anlage, 14:10 Uhr— Helmut Jahns Pointe: Die Pyramide machte 1991 aus einem Büroturm ein Wahrzeichen.Foto: Zeit Frankfurt

Auffällig ist, wie ordentlich sich die Dekaden schichten: die Siebziger mit Westend Gate und Silberturm, die Achtziger mit den Zwillingen, die Neunziger mit Messeturm, Trianon, Westendstraße 1 und Commerzbank Tower, die Nullerjahre mit dem Main Tower, die Zehner mit Tower 185, EZB und Omniturm, die Zwanziger mit dem FOUR. Jede Frankfurter Dekade hat ihren Turm. Man kann die Geschichte dieser Stadt tatsächlich an ihren Dächern ablesen — inklusive ihrer Krisen, denn gebaut wurde verlässlich immer dann, wenn das Geld gerade mutig war.

Fertig ist diese Liste nie

Das Schöne an einem Frankfurter Hochhaus-Ranking ist sein Verfallsdatum. An der Neuen Mainzer Straße wächst mit dem Central Business Tower bereits der nächste Kandidat für die Top Ten heran, auf dem Millennium-Areal am Hauptbahnhof wird seit Jahren über weitere Türme verhandelt, und der Hochhausrahmenplan wird regelmäßig fortgeschrieben. Diese Liste wird also irgendwann falsch sein, und das ist die beste Nachricht an ihr: Eine Skyline, die sich nicht mehr verändert, wäre keine — sie wäre ein Denkmal.

Wer nach dem Spaziergang wissen will, was in diesen Türmen eigentlich verhandelt wird, dem sei ein Blick hinter eine der unscheinbareren Fassaden empfohlen — morgens um acht auf dem Parkett der Börse, wo das Kapital gehandelt wird, das hier draußen zu Beton und Glas geronnen ist.

Die vier Türme des FOUR-Ensembles glühen im Abendrot, gesehen durch die Bäume der Taunusanlage.
04Taunusanlage, 21:05 Uhr— Der jüngste Eintrag der Liste: Wo vier Jahrzehnte lang ein verschlossener Block stand, stehen jetzt vier Türme.Foto: Zeit Frankfurt

Und dann, am Abend, noch einmal zurück ans Sachsenhäuser Ufer. Die Bürolichter gehen stockwerkweise aus, die Spitzen leuchten, der Main glättet sich. Man muss diese Stadt nicht lieben, um zuzugeben: Von allen Entscheidungen, die Frankfurt je getroffen hat, ist die, nach oben zu bauen, von hier unten betrachtet die überzeugendste.

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