Mainhattan · Getestet

Test: Das Geldmuseum der Bundesbank — Gold anfassen inklusive

Gold anfassen, Falschgeld prüfen, Inflation steuern: Das Geldmuseum der Bundesbank erklärt an der Wilhelm-Epstein-Straße, wie unser Geld funktioniert — und der Eintritt kostet nichts. Wir haben das Haus auf Verständlichkeit, Erlebniswert und Familientauglichkeit getestet.

Von Deniz Kaya Aktualisiert am 7 Min. Lesezeit
Weiter Blick in einen Ausstellungssaal des Geldmuseums mit leuchtenden Vitrinen, Besucher nur als dunkle Silhouetten.
01Geldmuseum, Wilhelm-Epstein-Straße, 10:10 Uhr— Leuchtende Vitrinen, dunkle Silhouetten: Im Haus der Bundesbank wird Geld zum Ausstellungsstück.Foto: Zeit Frankfurt

Es gibt in Frankfurt genau einen Ort, an dem Sie Gold der Bundesrepublik in die Hand nehmen dürfen — und er liegt nicht im Bankenviertel, sondern im Norden der Stadt, wo die Türme nur noch als Kulisse am Horizont stehen. An der Wilhelm-Epstein-Straße, zu Füßen des langen Betonriegels der Bundesbank-Zentrale, empfängt das Geldmuseum seine Besucher mit einer erstaunlich schwierigen Aufgabe: zu erklären, was Geld eigentlich ist, warum es funktioniert und wer darüber wacht. Der Eintritt kostet nichts. Wir wollten wissen, ob das Haus mehr ist als die Imagepflege einer Notenbank — und haben es getestet.

Ein Wort zur Methode: Wir waren zweimal dort, einmal an einem Dienstagvormittag allein, einmal an einem Sonntag in Begleitung eines neunjährigen Kindes. Bewertet haben wir drei Dinge — die Verständlichkeit (erklärt das Haus Geldpolitik so, dass man sie ohne Volkswirtschaftsstudium versteht?), den Erlebniswert (gibt es etwas zu tun, oder nur etwas zu lesen?) und die Familientauglichkeit. Dass der Eintritt frei ist, fließt in die Wertung ein: Ein Museum, das nichts kostet, darf man an anderer Stelle milder beurteilen. Man muss es, so viel vorweg, in diesem Fall kaum.

Vier Themenbereiche erklären, was die Schule ausgelassen hat

Der Rundgang folgt vier Stationen: Bargeld, Buchgeld, Geldpolitik und Geld global. Das klingt nach Lehrplan, ist aber klug gebaut, denn jede Station beantwortet eine Frage, an der Erwachsene im Alltag regelmäßig scheitern. Der Auftakt gehört dem Bargeld, und er ist der sinnlichste Teil des Hauses: In dunklen Sälen leuchten Vitrinen wie Schaufenster, dazwischen ein Labor, in dem Sie Banknoten unter Lupen und UV-Licht auf ihre Echtheit prüfen — Wasserzeichen, Sicherheitsfaden, Kippeffekt. Wer einmal selbst eine Fälschung enttarnt hat, hält sein Wechselgeld danach anders in der Hand. Genau so muss Vermittlung funktionieren: nicht behaupten, sondern ausprobieren lassen.

Eine hohe Museumsvitrine mit Reihen historischer Münzen, die im Streiflicht metallisch glänzen, Hochformat.
03Geldmuseum, Bereich Bargeld, 10:40 Uhr— Vom Silbergroschen zur Eurobanknote: Die Münzreihen erzählen Geldgeschichte im Schnelldurchlauf.Foto: Zeit Frankfurt

Die Geldgeschichte erzählt das Haus im Schnelldurchlauf, aber mit schönen Stücken: Münzreihen im Streiflicht, vom frühen Prägegeld über Taler und Groschen bis zur Eurobanknote, dazu die Erinnerung daran, dass Geld auch schon Muscheln, Salz und Papierversprechen war. Das ist kein numismatisches Spezialistenkabinett, sondern bewusst Überblick — unserer Wertung tut das gut, denn das Tempo bleibt hoch und niemand verliert sich in Vitrinennummern.

Dann wird es abstrakter, und hier beginnt die eigentliche Leistung des Museums. Der Bereich Buchgeld erklärt, was die wenigsten Menschen sauber formulieren können: dass der größte Teil unseres Geldes gar nicht als Schein oder Münze existiert, sondern als Zahl auf Konten — und dass Banken dieses Buchgeld schaffen, wenn sie Kredite vergeben. Das Haus macht daraus keine Verschwörungserzählung und keine Beschwichtigung, sondern eine nüchterne Mechanik, Schritt für Schritt an Medienstationen durchgespielt. Wer danach Appetit auf die Anlageseite des Geldes bekommt, findet die Grundlagen in unserer Börsenserie, etwa zur Frage, was eine Aktie eigentlich ist.

Der Bereich Geldpolitik schließlich ist der anspruchsvollste — und der beste. Leitzins, Inflation, Preisstabilität: Begriffe, die sonst als Nachrichtenkulisse vorbeirauschen, werden hier zu Stellschrauben, an denen Sie selbst drehen dürfen. An einer Simulation steuern Sie die Zinspolitik einer Notenbank und sehen, was passiert, wenn Sie zu spät bremsen oder zu früh lockern; unser Testkind hat dabei zweimal eine veritable Inflation produziert und beim dritten Versuch triumphiert. Was der Leitzins draußen in der Wirklichkeit anrichtet — mit Ihrem Festgeld, mit Krediten, mit dem Anleihemarkt —, haben wir an anderer Stelle aufgeschrieben: Anleihen verstehen: Was der Leitzins mit Ihrem Festgeld macht.

Der vierte Bereich, Geld global, weitet zum Schluss den Blick: fremde Währungen, Wechselkurse, die Frage, warum ein Land überhaupt Reserven hält und was geschieht, wenn das Vertrauen in eine Währung kippt. Für unseren Test war das der ruhigste Teil des Rundgangs — weniger zum Anfassen, mehr zum Nachdenken. Als Abschluss funktioniert er trotzdem, weil er die drei vorangegangenen Kapitel zusammenzieht: Bargeld, Buchgeld und Zinsentscheidungen sind am Ende Werkzeuge für dasselbe Ziel, nämlich dass eine Währung ihr Versprechen hält, auch über Grenzen hinweg. Dass Finanzstabilität keine nationale Angelegenheit ist, sagt sich leicht; hier wird es anschaulich.

Der Goldbarren ist der klügste Trick des Hauses

Eine Hand berührt einen echten Goldbarren, der in einer Panzerglasvorrichtung steckt, warmes Spotlicht liegt auf dem Metall.
02Geldmuseum, Goldstation, 11:05 Uhr— Zwölfeinhalb Kilogramm, echt, aus den Beständen der Bundesbank — anheben erlaubt, mitnehmen nicht.Foto: Zeit Frankfurt

Und dann ist da der Moment, für den die meisten kommen. In einer Panzerglasvorrichtung mit einer Öffnung für die Hand liegt ein echter Goldbarren aus den Beständen der Bundesbank: 12,5 Kilogramm, warm angestrahlt, blank poliert von Tausenden Händen. Anheben ist erlaubt — herausnehmen konstruktionsbedingt unmöglich, die Halterung gibt den Barren keinen Millimeter frei. Am Sonntag bildete sich davor eine kleine, sehr geduldige Schlange: Kinder, die sich mit beiden Händen abmühten, Erwachsene, die kurz still wurden. Zwölfeinhalb Kilo sind schwerer, als jeder denkt.

Man kann das für eine Attraktion halten, es ist aber mehr: der didaktische Kern des Hauses. Geld ist ein Versprechen — Vertrauen, in Zahlen gegossen, seit Jahrzehnten ohne Golddeckung. Der Barren ist das genaue Gegenteil: schwer, konkret, unbestechlich. Indem das Museum beides nebeneinanderstellt, macht es den entscheidenden Gedanken körperlich erfahrbar — dass der Wert unseres Geldes nicht in Tresoren liegt, sondern in einer Institution, die glaubwürdig bleibt. Dass die Bundesbank in Frankfurt zugleich einen erheblichen Teil der deutschen Goldreserven verwahrt, verleiht dem Ort dabei eine stille Pointe: Irgendwo unter den Füßen der Besucher lagert das Metall, von dem sie gerade ein Einzelstück gestemmt haben.

Geldpolitik kann man nicht anfassen. Gold schon — und auf genau diesem Kontrast ist dieses Museum gebaut.

Mit Kind funktioniert das Haus besser als erwartet

Mehr als 60 Medienstationen verteilen sich über die Ausstellung, und anders als in manchem Mitmachmuseum sind sie keine Beschäftigungstherapie, sondern tragen den Inhalt. Unser neunjähriges Testkind hat Banknoten geprüft, den Goldbarren gestemmt, eine Volkswirtschaft ruiniert und saniert — und nach gut zwei Stunden gefragt, ob man wiederkommen könne. Das ist, gemessen an bisherigen Museumstests dieser Redaktion, ein Spitzenwert. Dass die Inhalte auf Deutsch und Englisch angeboten werden, hilft zusätzlich; wer tiefer einsteigen will, schließt sich einer der kostenlosen Führungen an — werktags gehört das Haus spürbar den Schulklassen, am Wochenende den Familien.

Ehrlich bleiben muss man bei den Grenzen: Der Buchgeld-Bereich bleibt für Kinder unter etwa acht Jahren zu abstrakt, einige Texttafeln verlangen Konzentration, und wer mit sehr kleinen Kindern kommt, wird nach dem Goldbarren und dem Falschgeld-Labor das meiste Interesse verbraucht haben. Als Faustregel aus unserem Test: ab Grundschulalter lohnend, ab der fünften Klasse ein Volltreffer — auch weil das Haus Schulwissen ersetzt, das der Lehrplan oft schuldig bleibt.

Die Anreise ist der ehrlichste Minuspunkt

Bleibt der Weg. Das Geldmuseum liegt nun einmal dort, wo die Bundesbank liegt: im Frankfurter Norden zwischen Dornbusch und Ginnheim, gut zehn Fußminuten von der U-Bahn-Station Dornbusch entfernt, die Buslinie 34 hält direkt am Haus. Von der Hauptwache aus sollten Sie eine gute halbe Stunde einplanen. Am Eingang passieren Sie eine Sicherheitskontrolle — das Haus gehört schließlich zu einer Notenbank —, große Taschen wandern ins Schließfach. Wer den Ausflug rund machen will, verbindet ihn mit einem Spaziergang Richtung Grüneburgpark oder Niddatal.

Reizvoll ist der Kontrast zum anderen Geld-Ort dieser Stadt: Am Börsenplatz in der Innenstadt entstehen Preise, im Sekundentakt und mit viel Publikum — wie das aussieht, beschreibt unsere Reportage über einen Tag an der Börse Frankfurt. An der Wilhelm-Epstein-Straße dagegen wird der Maßstab gehütet, in dem all diese Preise gemessen werden. Wer beide Orte besucht hat, versteht Frankfurt besser als nach jeder Skyline-Führung.

Ein Kind steht mit dem Rücken zur Kamera vor einer großen Medienwand, auf der unscharfe Zahlenkolonnen leuchten.
04Geldmuseum, Medienwand, 12:30 Uhr— Wo Erwachsene an Begriffen scheitern, spielt sich die nächste Generation einfach durch.Foto: Zeit Frankfurt

Der letzte Eindruck unseres Tests: ein Kind, das vor der großen Medienwand steht, hinter ihm die Silhouetten der Erwachsenen, vor ihm Zahlenkolonnen, die über die Wand laufen. Es hat an diesem Vormittag Gold gestemmt, Falschgeld enttarnt und eine Inflation verursacht — und es wird den Begriff Leitzins künftig nicht mehr für einen Erwachsenentrick halten. Mehr kann ein Museum über Geld kaum leisten. Dass es dafür keinen Cent Eintritt verlangt, ist die schönste Ironie des Hauses.

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