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Die Frankfurt UAS: Wissen, das anwendbar sein muss

Am Nibelungenplatz steht Frankfurts zweite große Hochschule, unauffälliger als die Goethe-Uni und doch prägend: rund 15.000 Studierende, angewandtes Wissen, ein Motor des sozialen Aufstiegs in einer teuren Stadt.

Von Dr. Nadine Vogt 4 Min. Lesezeit
Kompakter Hochschulcampus mit nüchternen Gebäuden mitten in einem dicht bebauten Stadtviertel
01Nibelungenplatz, Frankfurt, 09:15 Uhr— Der Campus der Frankfurt UAS liegt kompakt und urban im Nordend.Foto: Zeit Frankfurt

Wenn in Frankfurt von Hochschule die Rede ist, denken die meisten an die Goethe-Universität mit ihren Prachtbauten am Campus Westend. Doch am Nibelungenplatz im Nordend arbeitet eine zweite große Hochschule, die das Bild der Stadt mindestens ebenso prägt, nur unauffälliger: die Frankfurt University of Applied Sciences, kurz Frankfurt UAS – bis 2014 schlicht die Fachhochschule Frankfurt.

Wissen, das anwendbar sein muss

Der Unterschied zur Universität steckt im Namen: Applied Sciences, angewandte Wissenschaften. Hier steht nicht die Grundlagenforschung im Zentrum, sondern die Ausbildung für die Praxis. Vier Fachbereiche prägen das Profil: Architektur, Bauingenieurwesen und Geomatik, Informatik und Ingenieurwissenschaften, Wirtschaft und Recht sowie Soziale Arbeit und Gesundheit. Vom Maschinenbau über Wirtschaftsinformatik und Geoinformation bis zur Pflege reicht das Spektrum; die Studiengänge sind eng mit Unternehmen, Behörden und sozialen Trägern der Region verzahnt. Dazu kommt anwendungsnahe Forschung: In Laboren und Instituten wird zu Fragen gearbeitet, die Frankfurt unmittelbar betreffen – bezahlbares Wohnen, Mobilität, die Digitalisierung der Verwaltung, die Pflege einer alternden Gesellschaft und die Anpassung der Stadt an Hitze und Klimawandel.

Studierende an Werkbänken und Rechnern in einem hellen Praxislabor einer Hochschule
02Frankfurt UAS, 11:30 Uhr— Im Labor: Projekte, Praktika und konkrete Aufgaben stehen im Mittelpunkt der Ausbildung.Foto: Zeit Frankfurt

Charakteristisch sind die praxisnahen Modelle. Neben klassischen Bachelor- und Masterstudiengängen bietet die Hochschule zahlreiche duale und berufsbegleitende Programme an, in denen sich Vorlesung und Betrieb abwechseln – vom dualen Bauingenieurwesen bis zur ausbildungsintegrierten Pflege. Wer schon im Beruf steht, kann sich abends und am Wochenende weiterqualifizieren; wer frisch aus der Schule kommt, sammelt vom ersten Semester an Praxis in Betrieben und Einrichtungen. Kooperationspartner sind Ingenieur- und Architekturbüros, IT-Unternehmen, Krankenhäuser, soziale Träger und die Ämter der Stadt Frankfurt.

Motor des Aufstiegs

Rund 15.000 Studierende sind eingeschrieben, darunter überdurchschnittlich viele erste Akademikerinnen und Akademiker ihrer Familie. Viele arbeiten neben dem Studium oder haben über eine Ausbildung und den zweiten Bildungsweg hierher gefunden – Wege, die an einer klassischen Universität seltener sind. Damit ist die Hochschule ein Motor sozialen Aufstiegs, mitten in einer teuren Stadt: Wer hier Bauingenieurwesen, Pflegemanagement oder Wirtschaftsinformatik studiert, hat oft einen direkten Weg in einen gefragten Beruf vor Augen. Auch international ist der Campus geprägt; Studierende aus mehr als hundert Ländern lernen hier nebeneinander, viele im MINT-Bereich, in dem die Hochschule gezielt um mehr Frauen wirbt.

Angewandtes Wissen heißt hier: Man lernt für die Baustelle, das Rechenzentrum und die Pflegestation.

Die Redaktion

Ein Campus mitten in der Stadt

Anders als der weitläufige Riedberg-Campus, wo die Naturwissenschaften der Goethe-Uni ihre Labore haben, liegt die Frankfurt UAS mitten im dicht bebauten Nordend. Die nüchternen Zweckbauten der Nachkriegsjahrzehnte drängen sich zwischen Wohnhäusern und breiten Straßen; der Campus ist kompakt, urban, ohne Park und Weite – aber genau das passt zu einer Hochschule, die sich als Teil der Stadtgesellschaft versteht. Gegründet wurde sie 1971 als Fachhochschule Frankfurt am Main, als das Land Hessen mehrere Ingenieurschulen und höhere Fachschulen zu einer Hochschule zusammenführte; ihre Wurzeln reichen damit bis in die Gewerbe- und Industriestadt des 19. Jahrhunderts zurück. 2014 folgte die Umbenennung in Frankfurt University of Applied Sciences.

Gerade in einer Metropolregion mit Fachkräftemangel wiegt diese Ausbildung schwer. Rhein-Main braucht Softwareentwicklerinnen, Bauingenieure, Pflegekräfte und Sozialarbeiterinnen – einen großen Teil von ihnen bildet die Hochschule am Nibelungenplatz aus. Jedes Jahr schließen mehrere Tausend ihr Studium ab; die meisten bleiben in der Region. Weniger glamourös als eine Elite-Universität, prägt die Frankfurt UAS den Alltag von Rhein-Main dafür umso handfester.

Die stille Säule

Man sieht der Hochschule ihre Bedeutung von außen kaum an. Kein historischer Prachtbau, kein berühmter Nobelpreis, dafür Tausende, die hier jedes Jahr einen Abschluss machen und in Beruf oder Selbstständigkeit starten. Wer den Schritt ins eigene Unternehmen plant, findet in unserem Ratgeber zum Selbstständigmachen in Frankfurt die passenden Anlaufstellen.

So bemisst sich der Wert dieser Hochschule nicht an Rankings, sondern an dem, was ihre Absolventinnen und Absolventen später in der Stadt bewegen – in den Büros, Werkhallen, Kliniken und Ämtern, die sie aufnehmen. Sie gehört damit zum Nordend – und zu jenen Institutionen, auf denen die Region im Alltag ruht.

Wer die Hochschule nur beim Namen kennt, aber nie betreten hat, verpasst ein wichtiges Stück Frankfurt: das arbeitende, aufsteigende, praktische.

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