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Fintech gründen in Frankfurt: Von der Idee zur eigenen GmbH
Die GmbH ist an einem Vormittag beurkundet — doch zwischen Idee und laufendem Fintech liegen Notartermin, Handelsregister, Steuern und womöglich eine BaFin-Erlaubnis. Ein Guide durch den Frankfurter Gründungsparcours: was Sie selbst erledigen können und wo Profis übernehmen sollten.
Auf dem Besprechungstisch liegen Gesellschaftsvertrag, Businessplan und eine Liste offener Fragen, hinter den Fenstern schiebt sich die Skyline ins Bild. Szenen wie diese gibt es im TechQuartier am Platz der Einheit fast täglich: zwei Menschen, eine Idee für ein Finanzprodukt, und dazwischen die Frage, wie daraus ein Unternehmen wird. Die gute Nachricht vorweg: Eine GmbH ist in Frankfurt an einem Vormittag beurkundet und oft binnen weniger Wochen im Handelsregister. Die weniger gute: Die Gründung ist der leichteste Teil. Was danach organisiert sein muss — Buchhaltung, Steuern, im Zweifel eine Erlaubnis der Finanzaufsicht —, entscheidet darüber, ob aus der Idee ein Geschäft wird oder ein Aktenordner.
Dass Fintech-Gründungen ausgerechnet hier naheliegen, hat handfeste Gründe. Kaum irgendwo in Europa sitzen so viele potenzielle Kunden, Partner und Aufseher auf so engem Raum: die großen Geschäftsbanken, die Europäische Zentralbank im Ostend, die Bundesbank an der Wilhelm-Epstein-Straße, dazu die Deutsche Börse mit ihrer Handelsinfrastruktur — wie es dort im Tagesgeschäft zugeht, beschreibt unsere Reportage über einen Tag an der Börse Frankfurt. Wer ein Produkt für Banken baut, erreicht seine Ansprechpartner mit der U-Bahn. Wer eines gegen Banken baut, übrigens auch.
Dieser Guide geht den Weg einmal komplett durch, von der Rechtsformwahl bis zur ersten Umsatzsteuervoranmeldung. Er markiert, was Sie selbst erledigen können, und die Stellen, an denen professionelle Begleitung ihr Geld wert ist. Und er beantwortet die Frage, die am Finanzplatz früher kommt als anderswo: Brauchen Sie eigentlich eine Erlaubnis der BaFin?
Die Rechtsform entscheidet über Tempo, Kosten und Glaubwürdigkeit
Fast alle Fintechs starten als GmbH oder als deren kleine Schwester, die UG (haftungsbeschränkt). Der Unterschied liegt im Stammkapital: Die GmbH verlangt 25.000 Euro, von denen bei der Anmeldung mindestens die Hälfte, also 12.500 Euro, eingezahlt sein muss. Die UG kommt theoretisch mit einem Euro aus, muss aber ein Viertel ihres Jahresüberschusses so lange zurücklegen, bis die 25.000 Euro erreicht sind. In der Praxis entscheidet oft weniger das Geld als die Wirkung: Wer mit Banken, Investoren oder der Aufsicht verhandelt, tritt mit einer GmbH glaubwürdiger auf. Und wer später Wandeldarlehen oder eine Finanzierungsrunde plant, erspart sich mit einer individuell aufgesetzten Satzung — statt des vereinfachten Musterprotokolls, das nur bis zu drei Gesellschafter und einen Geschäftsführer erlaubt — die erste teure Nachbesserung.
Der eigentliche Gründungsakt ist unspektakulär. Ein Notariat — Frankfurt hat davon reichlich, viele mit Schwerpunkt Gesellschaftsrecht — verliest den Gesellschaftsvertrag, prüft Identitäten und beurkundet die Bestellung der Geschäftsführung. Danach eröffnen Sie ein Geschäftskonto auf die „GmbH in Gründung", zahlen das Stammkapital ein und reichen den Nachweis nach; das Notariat meldet die Gesellschaft anschließend elektronisch zum Handelsregister an. Die Kosten für Beurkundung und Anmeldung hängen von Stammkapital und Satzung ab — für eine Standardgründung sollten Sie einige Hundert bis gut tausend Euro einplanen, die Eintragung selbst kostet rund 150 Euro.

Geführt wird das Handelsregister beim Amtsgericht Frankfurt am Main. Wie lange die Eintragung dauert, schwankt mit der Auslastung des Registergerichts; rechnen Sie mit einigen Tagen bis wenigen Wochen. Erst mit der Eintragung existiert die GmbH als juristische Person — bis dahin haften die Handelnden persönlich. Es lohnt sich deshalb, größere Verträge, Miete oder Personalentscheidungen auf die Zeit nach der Eintragung zu legen oder ausdrücklich unter diesen Vorbehalt zu stellen.
Nach der Eintragung beginnt der eigentliche Papierkram
Mit dem Registerauszug in der Hand folgt die Tour durch die Verwaltung, die inzwischen weitgehend digital funktioniert: die Gewerbeanmeldung beim Ordnungsamt in der Kleyerstraße, die in Frankfurt auch online möglich ist; die Eintragung der wirtschaftlich Berechtigten ins Transparenzregister, die gern vergessen wird und bußgeldbewehrt ist; und der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, den Sie binnen eines Monats elektronisch über Elster einreichen. Die Mitgliedschaft in der IHK Frankfurt am Main entsteht mit der Gewerbeanmeldung automatisch — sie kostet Beitrag, bringt aber auch etwas, dazu später mehr.
Spätestens jetzt sollten Sie die Zahlen kennen, mit denen Ihre GmbH leben wird. Auf Gewinne zahlt sie 15 Prozent Körperschaftsteuer plus Solidaritätszuschlag sowie Gewerbesteuer, die beim Frankfurter Hebesatz von 460 Prozent effektiv gut 16 Prozent ausmacht — zusammen also rund 32 Prozent. Dazu kommen die laufenden Pflichten: doppelte Buchführung vom ersten Tag an, Umsatzsteuervoranmeldungen, Lohnabrechnung ab der ersten Mitarbeiterin, ein Jahresabschluss, der offengelegt werden muss. Das ist keine Raketenwissenschaft, aber es ist Handwerk, das Fehler bestraft. Viele Gründungsteams lagern es deshalb von Beginn an aus: Frankfurt hat ein dichtes Netz an Steuerkanzleien und Treuhandgesellschaften, die Gründungen von der Kapitaleinzahlung bis zum ersten Jahresabschluss begleiten — das kostet einen festen Monatsbetrag und erspart im Zweifel die teure Korrektur im Jahr drei.
Die GmbH ist an einem Vormittag beurkundet. Ob daraus ein Unternehmen wird, entscheidet sich in den zwölf Monaten danach.
Die BaFin-Frage gehört an den Anfang der Planung
Und dann ist da die Frage, die Fintechs von anderen Start-ups unterscheidet: die Erlaubnispflicht. Wer Zahlungsdienste erbringt oder E-Geld ausgibt, braucht eine Erlaubnis nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz. Wer Einlagen- oder Kreditgeschäft betreibt, fällt unter das Kreditwesengesetz; Anlagevermittlung und -beratung regelt das Wertpapierinstitutsgesetz, und für Kryptodienstleister gilt seit Ende 2024 die europäische MiCAR-Verordnung. Zuständig ist die BaFin, die neben Bonn auch in Frankfurt sitzt, bei Banken gemeinsam mit der Bundesbank. Die Faustregel: Sobald Sie fremdes Geld halten, weiterleiten oder anlegen, gehört die Erlaubnisfrage geklärt, bevor die erste Zeile Code geschrieben wird.
Denn ein Erlaubnisverfahren ist kein Formular, sondern ein Projekt. Es verlangt eine tragfähige Geschäftsplanung, Anfangskapital je nach Geschäftsmodell, fachlich geeignete und zuverlässige Geschäftsleiter und eine Compliance-Organisation, die den Namen verdient. Von der Vorbereitung bis zur Erteilung vergehen in der Regel viele Monate. Deshalb starten viele junge Fintechs zunächst unter dem Dach eines lizenzierten Partners — als technischer Dienstleister oder im White-Label-Modell — und beantragen die eigene Erlaubnis erst, wenn das Produkt trägt. Das ist kein Umweg, sondern gelebte Frankfurter Praxis.

Ein Nebeneffekt des Standorts: Das Fachwissen läuft hier über den Flur. Wer ein Produkt rund um Wertpapiere baut, sollte die Mechanik dahinter verstanden haben — wie auf Xetra aus Angebot und Nachfrage ein Preis wird, ist kein Börsenfolklore-Wissen, sondern Produktwissen. Und wer im Pitchdeck vom Exit träumt, liest am besten vorher nach, wie ein Börsengang wirklich abläuft — allein wegen der Zeitachse.
Frankfurt hilft — wenn Sie wissen, wo Sie klingeln
Die Stadt hat für Gründerinnen und Gründer mehr Infrastruktur, als ihr Ruf als reiner Bankenstandort vermuten lässt. Erste Adresse ist das TechQuartier im Pollux-Turm am Platz der Einheit: 2016 als Fintech-Hub gestartet, heute Anlaufstelle mit Arbeitsplätzen, Programmen und einer Community, in der man die Fehler der anderen kostenlos mitlernt. Die IHK Frankfurt am Main am Börsenplatz bietet Gründungsberatung, wirft einen Blick auf Businesspläne und beantwortet Formalienfragen; die Wirtschaftsförderung Frankfurt hilft bei Flächen und Kontakten in die Verwaltung. Und Nachwuchs rekrutiert man in Sichtweite — an der Goethe-Universität und der Frankfurt School of Finance & Management, deren Absolventinnen und Absolventen den Weg ins TechQuartier ohne Stadtplan finden.
„Die Beurkundung war der einfachste Termin des ganzen Jahres", sagt eine Gründerin, die ihr Zahlungs-Start-up seit zwei Jahren vom Gallus aus betreibt. „Danach kam die Arbeit: Konto, Aufsicht, Buchhaltung — und nebenbei das Produkt." Der Satz taugt als Zusammenfassung dieses Guides.
Bleibt die Bürofrage, und hier hilft ein realistischer Blick: Die wenigsten Frankfurter Fintechs starten im Hochhaus. Sie starten im Altbau-Hinterhof, in Bürogemeinschaften im Bahnhofsviertel oder auf einer kleinen Etage im Ostend, wo die Mieten verhandelbar sind und die Europäische Zentralbank trotzdem in Sichtweite bleibt. Für die ersten Monate reicht ohnehin ein Schreibtisch im TechQuartier oder in einem der Coworking-Angebote der Innenstadt — das Handelsregister fragt nicht nach Quadratmetern.

Am Ende steht dann irgendwann dieser Abend: eine frisch bezogene Etage, zwei Schreibtische, Kartons, in denen Gesellschaftsvertrag und Registerauszug liegen. Die GmbH war an einem Vormittag beurkundet, das Unternehmen hat Monate gebraucht — und fängt jetzt erst an. Das ist die ehrlichste Auskunft, die dieser Gründungsparcours hergibt: Frankfurt macht es einem nicht leicht, aber es macht es einem möglich. Kurze Wege, klare Regeln und genug Menschen, die das alles schon einmal durchgerechnet haben. Mehr kann eine Stadt für eine Idee kaum tun.
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