Stadtleben · Erklärt
Terminal 3 ist offen: Was sich für Frankfurt jetzt ändert
Seit dem 22. April ist Terminal 3 in Betrieb, seit Anfang Juni sind alle 57 Airlines aus Terminal 2 umgezogen. Was der Neubau im Süden für Arbeitsplätze, Verkehr und Lärm bedeutet — erzählt mit den Stimmen derer, die dort arbeiten und reisen.
Man kann die Bedeutung dieses Frühjahrs für den Frankfurter Flughafen an einer simplen Beobachtung festmachen: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten hat die Stadt ein Terminal, in dem noch nichts abgenutzt ist. Am 22. April hat Fraport das Terminal 3 im Süden des Geländes eröffnet, nach gut einem Jahrzehnt Bauzeit und mit einer Investition von annähernd vier Milliarden Euro; seit Anfang Juni sind alle 57 Airlines, die zuvor im Terminal 2 abgefertigt wurden, im Neubau angekommen. Für Passagiere ist das zunächst eine Adressänderung. Für Frankfurt ist es mehr: eine Verschiebung von Verkehr, Arbeit und Lärm — und eine offene Frage, was aus dem Altbestand wird.
Dieser Text ordnet ein, was die Eröffnung für die Stadt bedeutet. Nicht aus der Perspektive der Konzernkommunikation, sondern von unten: von den Menschen, die dort arbeiten, und denen, die dort nur schnell durchwollen.
Was da im Süden eigentlich eröffnet wurde
Terminal 3 steht auf geschichtsträchtigem Boden: dem Gelände der früheren US-Airbase, die 2005 an den Flughafen zurückfiel. Seit 2015 wurde gebaut, entstanden ist in der ersten Ausbaustufe ein Gebäude mit den Flugsteigen G, H und J und einer Kapazität von bis zu 19 Millionen Passagieren im Jahr — das entspricht in etwa einem kompletten mittelgroßen europäischen Flughafen, angebaut an den größten des Landes. Architektonisch ist der Neubau das Gegenprogramm zum verwinkelten Bestand: eine weite, helle Halle unter geschwungenem Dach, kurze Sichtachsen, Sicherheitskontrollen neuester Generation.
Wer die lange Vorgeschichte kennt — die Startbahn-West-Proteste, den Ausbau-Dauerstreit, das Nachtflugverbot —, weiß, dass in dieser Region kein Beton unumstritten bleibt. Wie der Flughafen wurde, was er ist, erzählt unser Rückblick Vom Rebstock zu Terminal 3. Die Eröffnung beendet diese Debatten nicht, sie verlagert sie: Die Kapazität ist jetzt gebaut, verhandelt wird über ihre Nutzung.

Die Sky Line ist die eigentliche Hauptdarstellerin
Das größte Alltagsthema der ersten Wochen ist nicht die Halle, sondern der Weg dorthin. Terminal 3 hat keine eigene S-Bahn-Station; wer mit der Bahn kommt, steigt weiterhin am Regional- oder Fernbahnhof unter Terminal 1 aus und wechselt in die verlängerte Sky Line — die fahrerlose Hochbahn, die die Terminals nun im Minutentakt verbindet und für die neue Strecke in den Süden rund acht Minuten braucht. Das System funktioniert bemerkenswert reibungslos; was hakt, ist die Psychologie. „Die Leute rechnen den Umweg nicht ein", sagt ein Vielflieger, der wöchentlich nach Wien pendelt. „Wer um sieben fliegt und wie früher um sechs am Fernbahnhof steht, lernt Terminal 3 erst mal von seiner stressigen Seite kennen."
Die praktische Konsequenz: Für Abflüge ab den Flugsteigen G, H und J gehört die Sky-Line-Etappe fest in die Zeitplanung — eine gute Viertelstunde vom Fernbahnhof bis zur Sicherheitskontrolle ist realistisch, mit Gepäck eher mehr. Wie sich die Anreise-Varianten in der Praxis schlagen, hat unsere Redaktion im Test mit Bahn, Bus und Taxi durchgespielt. Und wer die Wartezeit vor dem Abflug plant: Die Gastronomie des Neubaus haben wir uns in einem eigenen Stück vorgenommen.
Wir sind aus dem Provisorium in die Zukunft umgezogen — jetzt muss nur noch der Weg dorthin kürzer werden.
Eine Mitarbeiterin am Check-in, seit 14 Jahren am Flughafen
Arbeitsplätze und Verkehr: Was die Stadt davon hat
Der Flughafen ist mit gut 80.000 Beschäftigten die größte lokale Arbeitsstätte Deutschlands, und Terminal 3 verschiebt dieses Gewicht spürbar nach Süden. Für Tausende Beschäftigte — vom Sicherheitspersonal über die Bodenverkehrsdienste bis zur Systemgastronomie — haben sich mit dem Umzug Arbeitswege, Schichtlogistik und Pausenorte geändert. Die Stimmung dazu ist gemischt, aber nicht schlecht. „Der Neubau ist heller, die Wege sind logischer, die Pausenräume besser", sagt eine Mitarbeiterin der Gepäckabfertigung. „Aber mein Anfahrtsweg ist zwanzig Minuten länger geworden, und das jeden Tag." Genau solche Sätze hört man oft: Lob für das Gebäude, Kritik an der Peripherie.
Für die Region bedeutet der Neubau zusätzliche Verkehrsströme auf der Südseite — mehr Busse, mehr Taxis, mehr Autoverkehr über die südlichen Zufahrten. Die Städte und Gemeinden dort haben lange vor der Eröffnung auf dieses Szenario hingewiesen; jetzt zeigt sich im Alltag, wie belastbar die Planung war. Erste Beobachtung nach einem Monat Vollbetrieb: Die große Blechlawine ist ausgeblieben, weil ein erheblicher Teil der Passagiere weiterhin über die Schiene und die Sky Line kommt. Die Stoßzeiten am frühen Morgen und frühen Abend aber sind auf den Südzufahrten deutlich spürbarer als zuvor.
Auch die kleinen Gewerke erzählen vom Umbruch. Ein Busfahrer, der die Schichtwechsel der Südseite fährt, beschreibt es so: „Ich fahre jetzt Strecken, die es vor einem Jahr nicht gab, zu Zeiten, die sich alle noch merken müssen." Eine Reinigungskraft, seit der Eröffnung im Neubau eingesetzt, lobt die Materialien — „endlich Böden, die man sauber halten kann" — und vermisst zugleich die eingespielten Ecken des alten Terminals: die kurzen Wege zur Kantine, die bekannten Gesichter. Es sind unspektakuläre Sätze, aber sie beschreiben präzise, was ein Umzug dieser Größe bedeutet: Zehntausende kleine Routinen, die neu verhandelt werden, während draußen die Maschinen im Takt weiterrollen.
Der Lärm bleibt die empfindlichste Frage
Beim Thema Fluglärm ist Präzision wichtig: Terminal 3 baut keine neue Bahn, es verteilt Abfertigung um. Die Zahl der Flugbewegungen hängt am Bahnensystem und an den Verkehrsrechten, nicht an der Zahl der Gates. Kurzfristig ändert sich am Lärmbild über der Stadt deshalb wenig. Mittelfristig aber schafft ein Terminal dieser Größe die Voraussetzung dafür, dass der Flughafen wieder wachsen kann, wenn die Nachfrage es hergibt — und genau daran entzündet sich die Kritik der Lärmschutzinitiativen, die die erste Ausbaustufe als Einstieg in die nächste lesen. Beide Seiten haben recht mit ihren Fakten; der Streit geht um die Zukunft, nicht um die Gegenwart.

Und was wird jetzt aus Terminal 2?
Die vielleicht interessanteste Baustelle der nächsten Jahre ist die, die gerade leergezogen wurde. Terminal 2, eröffnet 1994, steht seit dem Juni-Umzug ohne Linienbetrieb da — ein seltener Zustand für ein Gebäude dieser Größe an diesem Ort. Fraport nutzt die Gelegenheit für eine Generalsanierung: Der in die Jahre gekommene Bau soll modernisiert werden, bevor er wieder ans Netz geht, als Reserve für Wachstum und als Ausweichfläche, wenn andernorts gebaut wird. Für Passagiere heißt das auf absehbare Zeit: Der Flughafen besteht praktisch aus Terminal 1 und Terminal 3, und die alte Eselsbrücke „Lufthansa links, Rest rechts" hat ausgedient.
Bemerkenswert ist, wie unaufgeregt dieser historische Umbau im Stadtgespräch ankommt. Vielleicht, weil Frankfurt Übung darin hat, dass sich seine Infrastruktur alle paar Jahre neu erfindet. Vielleicht auch, weil sich der Alltag der meisten Frankfurter am Flughafen gar nicht abspielt — bis zur nächsten Reise, beim ersten verwirrten Blick auf die Anzeigetafel: Abflug G 12. Das ist jetzt im Süden. Planen Sie die acht Minuten ein.
Für diese nächste Reise lohnt eine kurze Checkliste. Prüfen Sie schon bei der Buchung, ob Ihr Flug ab G, H oder J startet — dann gilt Terminal 3, und der Weg dorthin beginnt am besten mit Zeitpuffer am Fernbahnhof. Wer abgeholt wird oder selbst fährt, gibt dem Navigationsgerät ausdrücklich „Terminal 3" mit, denn die Südzufahrt ist eine andere als die vertraute Nordanfahrt. Und wer umsteigt, zwischen einem Flug im alten und einem im neuen Teil, rechnet die Sky-Line-Etappe in die Umsteigezeit ein — die Mindestumsteigezeiten sind entsprechend angepasst, aber knapp gebuchte Verbindungen bleiben knapp. Es sind drei kleine Gewohnheiten, und nach der zweiten Reise sitzen sie.

Am Abend, wenn die tiefstehende Sonne die Sky-Line-Trasse in Silhouetten zerlegt, sieht man am besten, was hier entstanden ist: kein Denkmal, sondern ein Werkzeug. Ob es ein gutes ist, entscheidet sich nicht an der Architektur, sondern daran, ob die Region die Arbeit, den Verkehr und den Lärm fair verteilt bekommt. Das Terminal ist fertig. Die Aushandlung hat gerade erst geöffnet.
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