Stadtleben · Liste

Zwölf kühle Orte für heiße Sommertage in Frankfurt

Frankfurt gehört zu den wärmsten Großstädten des Landes — doch die Stadt hat mehr kühle Orte, als ihr Ruf vermuten lässt. Zwölf verlässliche Adressen vom Hauptfriedhof bis zum Nidda-Ufer, mit Anfahrt, bester Tageszeit und dem ehrlichen Haken. Fast alle kosten nichts.

Von Johanna Roth Aktualisiert am 8 Min. Lesezeit
Weite Platanenallee auf dem Frankfurter Hauptfriedhof mit tiefen Schatten und wandernden Lichtflecken auf dem Kiesweg.
01Hauptfriedhof, 11:20 Uhr— Unter den Platanen wandern Lichtflecken über den Kies — hier ist es an Hitzetagen spürbar kühler als auf der Zeil.Foto: Zeit Frankfurt

Frankfurt zählt zu den wärmsten Großstädten Deutschlands, und wer einmal im Juli um 15 Uhr über den Opernplatz gelaufen ist, weiß, dass das keine Statistikfloskel ist. Die dichte Bebauung speichert die Hitze, der Asphalt gibt sie nachts zurück, und die berühmte Skyline wirft zwar Schatten, aber selten dorthin, wo man ihn braucht. Die gute Nachricht: Diese Stadt hat mehr kühle Orte, als ihr Ruf vermuten lässt — man muss sie nur kennen. Zwölf davon haben wir besucht, bei über dreißig Grad, mit Thermometer im Rucksack und ohne Illusionen. Für jeden Ort nennen wir die Anfahrt, die beste Tageszeit und den ehrlichen Haken.

Ein paar Grundregeln vorab, die alle zwölf Orte verbindet. Erstens: Der Unterschied macht nicht die Temperatur im Wetterbericht, sondern die gefühlte — und die entsteht aus Schatten, Wind und Wasser in der Nähe. Ein Platz unter alten Bäumen am Fluss kann sich an demselben Tag um etliche Grad kühler anfühlen als eine Asphaltkreuzung drei Straßen weiter. Zweitens: Timing schlägt Ortswahl. Fast jeder Ort dieser Liste ist am frühen Morgen und am späten Abend am besten; die Stunden zwischen 14 und 17 Uhr verbringt man an Hitzetagen am klügsten hinter dicken Mauern. Und drittens: Trinken Sie, bevor Sie Durst haben — die Stadt hat dafür inzwischen mehr kostenlose Infrastruktur, als die meisten wissen. Womit die Liste beginnen kann.

Unter alten Bäumen fällt die Temperatur um mehrere Grad

1 · Die Platanenalleen des Hauptfriedhofs. Der Hauptfriedhof an der Eckenheimer Landstraße ist einer der größten Friedhöfe Deutschlands — und an Hitzetagen eine grüne Klimaanlage. Unter den jahrzehntealten Platanen und Linden liegt die gefühlte Temperatur deutlich unter der der umliegenden Straßen. Anfahrt: U5 bis Hauptfriedhof. Beste Zeit: der späte Vormittag, wenn die Alleen noch leer sind. Der Haken: Es ist ein Friedhof. Wer hier Ruhe sucht, findet sie — wer ein Picknick plant, ist falsch.

2 · Der Stadtwald am Jacobiweiher. Frankfurts Stadtwald gehört zu den größten kommunalen Wäldern Deutschlands, und rund um den Jacobiweiher bei der Oberschweinstiege ist er am zugänglichsten: Wasserfläche, alte Eichen, breite Wege. Anfahrt: Straßenbahn Richtung Neu-Isenburg bis Oberschweinstiege, dann zehn Minuten zu Fuß. Beste Zeit: früher Abend. Der Haken: Am Wochenende haben viele dieselbe Idee, und die Wirtschaft am Weiher ist entsprechend voll.

3 · Das Nidda-Ufer im Frankfurter Westen. Zwischen Rödelheim, Hausen und Eschersheim begleitet ein durchgehender Weg die Nidda, gesäumt von Weiden, Wiesen und erstaunlich viel Stille. Das Wasser kühlt die Luft, die Bäume liefern den Schatten. Anfahrt: S-Bahn bis Rödelheim oder U-Bahn bis Hausen, der Fluss ist ausgeschildert. Beste Zeit: ab 18 Uhr, wenn die Sonne tief steht. Der Haken: Radfahrer, Jogger und Spaziergänger teilen sich denselben Weg — an schönen Abenden wird es eng.

Die glitzernde Wasseroberfläche eines großen Freibadbeckens am frühen Morgen, die Startblöcke stehen im Gegenlicht.
02Brentanobad, Rödelheim, 7:05 Uhr— Vor acht Uhr gehört das riesige Becken den Schwimmern — zwei Stunden später beginnt das Gedränge.Foto: Zeit Frankfurt

Nichts kühlt schneller als Wasser

4 · Das Brentanobad in Rödelheim. Das Becken des Brentanobads gilt als eines der größten Freibadbecken Europas, dazu kommen alte Bäume und großzügige Liegewiesen. Anfahrt: S-Bahn bis Rödelheim, dann zehn Minuten zu Fuß. Beste Zeit: zur Öffnung am Morgen — dann gehört das Wasser den Schwimmern. Der Haken: An Spitzentagen ist das Bad schlicht voll, und die Schlange am Einlass steht in der Sonne.

5 · Die städtischen Trinkbrunnen. Seit einigen Jahren baut die Stadt ihr Netz öffentlicher Trinkbrunnen kontinuierlich aus, unter anderem in der Innenstadt. Das Wasser ist kostenlos, kontrolliert und kalt. Anfahrt: keine — sie stehen am Weg. Beste Zeit: immer. Der Haken: Die Standorte muss man einmal gelernt haben, und an manchen Brunnen bilden sich mittags kleine Schlangen.

6 · Der Wasserspielplatz im Günthersburgpark. Für Familien ist der Wasserspielplatz im Bornheimer Günthersburgpark im Sommer die verlässlichste Adresse der Stadt: Fontänen, Rinnen, Matschzone — und drumherum ein Park mit altem Baumbestand. Anfahrt: Straßenbahn oder Bus bis Günthersburgpark beziehungsweise ab Bornheim Mitte zu Fuß. Beste Zeit: vormittags, bevor die Kitas kommen. Der Haken: Trockene Kleidung zum Wechseln ist keine Empfehlung, sondern eine Notwendigkeit.

Abkühlung ist in Frankfurt keine Frage des Geldes, sondern der Ortskenntnis.

Stein und Klimaanlage schlagen jede Terrasse

7 · Der Kaiserdom St. Bartholomäus. Dicke Sandsteinmauern, hohe Gewölbe, kaum Fenster nach Süden: Das Kirchenschiff des Doms hält auch im Hochsommer eine fast kellerartige Kühle. Anfahrt: U4/U5 bis Dom/Römer. Beste Zeit: der frühe Nachmittag, wenn draußen die Hitze am größten ist. Der Haken: Es ist ein Gotteshaus mit Gottesdiensten und Touristengruppen — Abkühlung ja, Aufenthalt mit Kaffeebecher nein.

8 · Die Zentralbibliothek in der Hasengasse. Klimatisierte Lesesäle, Zeitungen, Steckdosen, kein Konsumzwang: Die Zentralbibliothek der Stadtbücherei ist der wohl unterschätzteste kühle Ort der Innenstadt. Anfahrt: U-Bahn oder S-Bahn bis Konstablerwache. Beste Zeit: nachmittags. Der Haken: An Hitzetagen haben das auch Studierende, Schüler und halb Bornheim erkannt — freie Plätze werden rar.

9 · Das Städel am Schaumainkai. Museen sind aus konservatorischen Gründen konstant temperiert, und das Städel verbindet die Kühle mit dem besten Kunstbestand der Stadt. Wer den Besuch plant, kann ihn gleich zu einer Tour ausbauen — wie sie unsere Route über das Museumsufer an einem Tag beschreibt. Anfahrt: U-Bahn bis Schweizer Platz oder zu Fuß über den Eisernen Steg. Beste Zeit: mittags. Der Haken: Eintritt kostet Geld, und am Wochenende sind Sie nicht allein.

Nach Sonnenuntergang gehört die Stadt den Geduldigen

Zwei Hände unter dem klaren Strahl eines städtischen Trinkbrunnens, Wassertropfen glitzern im Gegenlicht.
03Innenstadt, Trinkbrunnen, 14:50 Uhr— Das Netz der öffentlichen Trinkbrunnen wächst seit Jahren — kaltes Wasser, kostenlos, mitten in der Stadt.Foto: Zeit Frankfurt

10 · Der Bethmannpark mit dem Chinesischen Garten. Klein, ummauert, dicht bepflanzt: Der Bethmannpark am Friedberger Tor ist ein Kühlraum im Taschenformat, und der Chinesische Garten in seiner Mitte mit Teich und Pavillon der stillste Winkel des Nordends. Anfahrt: U4 bis Merianplatz oder zu Fuß von der Konstablerwache. Beste Zeit: früher Abend. Der Haken: Der Garten schließt früher als der Park — und Liegewiesen gibt es hier nicht.

11 · Der Grüneburgpark im Westend. Frankfurts große Bürgerwiese hat, was zählt: sehr alte, sehr hohe Bäume und Wiesen, auf denen abends ein spürbarer Luftzug steht. Anfahrt: U-Bahn bis Holzhausenstraße oder Westend, dann wenige Minuten zu Fuß. Beste Zeit: ab 19 Uhr. Der Haken: Der Park ist das Wohnzimmer des halben Westends — echte Einsamkeit findet hier niemand.

12 · Das Mainufer nach Sonnenuntergang. Wenn die Stadt glüht, kühlt der Fluss zuerst: Auf den Uferwiesen zwischen Eisernem Steg und Flößerbrücke weht abends fast immer eine Brise, und der Blick auf die beleuchtete Skyline gibt es dazu. Wie viel dieser Kilometer tagsüber hergibt, zeigt unser Guide für einen ganzen Tag am Mainufer. Anfahrt: überallhin zu Fuß. Beste Zeit: die blaue Stunde. Der Haken: Sie teilen den Gedanken mit einigen Tausend anderen — Stille klingt anders.

Der beste Hitzeplan kombiniert drei Stationen

Aus zwölf Orten wird ein Tagesplan, wenn man sie klug hintereinanderlegt: morgens ins Wasser, mittags in Stein oder Klimaanlage, abends ins Grün am Fluss. Wer es konkret mag: Brentanobad um sieben, Städel um eins, Nidda-Ufer um sieben — dazwischen Trinkbrunnen. Weitere Ideen für heiße wie verregnete Tage sammelt übrigens unsere Liste mit fünfzehn Ideen für den Sonntag in Frankfurt.

Ein Hinweis noch für alle, für die Hitze mehr ist als eine Komfortfrage: Für ältere Menschen, Schwangere, kleine Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen sind heiße Tage eine echte Belastung, und die klassischen Ratschläge gelten unverändert — die Mittagsstunden meiden, mehr trinken als sonst, die Wohnung nachts durchlüften und tagsüber verdunkeln. Der Deutsche Wetterdienst warnt tagesaktuell vor Hitzebelastung, und die Stadt informiert über ihre Hitzeschutz-Angebote. Diese Liste ersetzt keinen dieser Hinweise; sie ergänzt sie um das, was Behördenseiten selten liefern: konkrete Adressen mit Schatten.

Schattiges Nidda-Ufer mit alten Weiden, auf der Wiese liegt eine Picknickdecke in der tief stehenden Abendsonne.
04Nidda-Ufer, 19:30 Uhr— Wenn die Innenstadt noch glüht, hat der Fluss im Frankfurter Westen längst Feierabendtemperatur.Foto: Zeit Frankfurt

Und vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis dieser Liste: Die kühlsten Orte Frankfurts sind fast alle öffentlich, fast alle kostenlos und fast alle älter als jede Debatte über Stadtklima. Die Platanen des Hauptfriedhofs wurden gepflanzt, lange bevor jemand das Wort Hitzeinsel kannte. Man muss diese Orte nicht neu erfinden. Man muss nur hingehen — am besten, bevor es alle tun.

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