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Fünfzehn Ideen für den Sonntag in Frankfurt — bei jedem Wetter
Der Sonntag ist der unterschätzte Frankfurter Tag. Fünfzehn erprobte Ideen zwischen Kultur, Grün und Wasser — jede mit Zeitbedarf, RMV-Anreise und dem ehrlichen Hinweis, wann es voll wird.
Der Sonntag hat in Frankfurt einen schlechteren Ruf, als er verdient. Die Läden zu, die Kleinmarkthalle verriegelt, die Büros dunkel — was soll diese Stadt der Werktätigen an ihrem freien Tag schon können? Eine ganze Menge, wie sich zeigt, wenn man sie lässt: Frankfurt ist sonntags grüner, langsamer und freundlicher als an jedem anderen Tag. Hier sind fünfzehn erprobte Ideen dafür — sortiert nach Wetterlage, jede mit Zeitbedarf, Anreise und dem ehrlichen Hinweis, wann Sie sich das Ziel mit halb Hessen teilen.
Zwei Dinge sollten Sie vorab wissen. Erstens: Der Sonntag hat in dieser Stadt einen eigenen Fahrplan — viele Bahnen fahren im ausgedünnten Takt, dafür sind sie leerer, und mit einer Tageskarte lässt sich das halbe Stadtgebiet zum Preis von zwei Einzelfahrten abklappern. Zweitens: Die Frankfurter selbst folgen einem erstaunlich stabilen Rhythmus — bis elf Uhr wird gefrühstückt, ab zwölf sind die beliebten Ziele voll, ab siebzehn Uhr leeren sie sich wieder. Wer diesen Rhythmus kennt, kann ihn unterlaufen: früh hinaus oder spät, dazwischen dorthin, wo die Vielen nicht sind.
Bei Sonne gehört der Tag den Parks und Hügeln
1. Palmengarten. Der Klassiker, und das zu Recht: botanische Weltreise zwischen Tropicarium, Rosengarten und Weiher, drinnen wie draußen. Zeitbedarf zwei bis drei Stunden; Anreise mit U4, U6 oder U7 bis Bockenheimer Warte. Voll wird es bei schönem Wetter ab Mittag — die ruhigste Zeit ist gleich nach Öffnung.
2. Lohrberg. Frankfurts Hausberg im Osten: Weinberg, Streuobstwiesen und der beste kostenlose Skyline-Blick der Stadt. Zwei Stunden mit Einkehr; U4 bis Seckbacher Landstraße, dann bergauf. Sonntags ab elf wird die Wiese zur Picknickfläche — warum sich der frühe Morgen dort besonders lohnt, erzählt unsere Reportage vom Lohrberg.
3. GrünGürtel-Radrunde. Gut 60 Kilometer Rundweg einmal um die Stadt, beschildert und erstaunlich grün — wer nicht alles will, nimmt das Teilstück zwischen Schwanheimer Düne und Niddapark. Halber bis ganzer Tag; Einstieg an fast jeder S-Bahn-Station möglich, Radmitnahme sonntags entspannt. Voll ist es nie, nur an den Eisdielen unterwegs.
4. Stadtwald und Goetheturm. Einer der größten Stadtwälder Deutschlands, mit dem wiederaufgebauten Goetheturm als Ziel und Spielplätzen für die Rast. Zwei bis vier Stunden; Anreise Richtung Sachsenhausen-Süd, gut per Rad oder Bus. An Sonntagen mit Sonne sind die Hauptwege ab Mittag gut belaufen — die Seitenwege fast nie.
5. Nidda-Uferweg. Die stille Alternative zum Main: von Rödelheim über Hausen bis zum Alten Flugplatz Bonames, wo aus einem Hubschrauberlandeplatz ein Naturareal mit Café wurde. Zwei bis drei Stunden zu Fuß oder eine gemütliche Radstunde; S3, S4 oder S5 bis Rödelheim. Voll nur am Flugplatz selbst, der Weg dazwischen bleibt frei.
6. Mainufer mit Eisernem Steg. Die Runde, die nie enttäuscht: am Museumsufer entlang, über den Eisernen Steg, drüben zurück — unterwegs Schiffe, Skyline und das komplette Sonntagspublikum der Stadt. Ein bis zwei Stunden, beliebig verlängerbar; jede Bahn Richtung Römer oder Schweizer Platz bringt Sie hin. Wie man daraus einen ganzen Tag macht, zeigt unser Stück über einen Tag am Mainufer.

Bei Regen rettet das Museumsufer den Tag
7. Städel Museum. 700 Jahre Kunstgeschichte unter einem Dach, von Botticelli bis zur Gegenwart — der verlässlichste Plan B, den diese Stadt hat. Zwei bis vier Stunden; U1 bis U3 oder U8 bis Schweizer Platz. Sonntags gut besucht, große Sonderausstellungen am besten mit Zeitfensterticket.
8. Senckenberg Naturmuseum. Dinosaurier im Treppenhaus, Wale unter der Decke: Das Naturmuseum funktioniert für Sechsjährige wie für Sechzigjährige. Zwei bis drei Stunden; Bockenheimer Warte, fünf Minuten zu Fuß. An Regensonntagen das vollste Haus der Stadt — vor elf Uhr da sein.
9. Museumsufer-Hopping. Wer sich nicht entscheiden mag, nimmt gleich mehrere Häuser: Filmmuseum, Architekturmuseum, Museum für Kommunikation und Ikonen-Museum liegen in Gehweite nebeneinander, dazwischen hilft ein Schirm. Halber bis ganzer Tag; die perfekte Reihenfolge haben wir in der Route über das Museumsufer an einem Tag aufgeschrieben.
10. Zoo Frankfurt. Halb drinnen, halb draußen und damit die beste Idee für unentschlossenes Wetter: Menschenaffen im Borgori-Wald, Nachttiere im Grzimekhaus. Drei bis vier Stunden; U6 oder U7 bis Zoo. Bei Nieselregen angenehm leer, bei Aprilsonne ab Mittag gut gefüllt.
Der Sonntag ist der einzige Tag, an dem Frankfurt nicht rechnet — man sollte ihn genauso verbringen.
Die Klassiker funktionieren das ganze Jahr
11. Ebbelwei-Express. Eine Stunde Stadtrundfahrt in der historischen Straßenbahn, Bembel und Brezel inklusive — touristisch, aber auf die charmante Art. Abfahrt am Wochenende im Stundentakt, Startpunkt klassischerweise am Zoo; Tickets direkt beim Schaffner, an schönen Nachmittagen früh anstehen.
12. Main Tower. Die einzige öffentlich zugängliche Aussichtsplattform der Skyline, 200 Meter über allem. Eine Stunde reicht; S-Bahn bis Taunusanlage. Zum Sonnenuntergang bildet sich eine Schlange — wer das goldene Licht will, kommt eine Stunde früher.
13. Neue Altstadt und Kaiserdom. Zwischen Römerberg und Dom lässt sich Frankfurts rekonstruierte Mitte in einer Stunde ablaufen, mit Krönungsweg, Hühnermarkt und Domturm für die Fleißigen. Sonntags ab Mittag touristisch voll; früh morgens hat man die Gassen fast allein.
14. Das lange Frühstück. Der eigentliche Frankfurter Sonntagssport — und der offizielle Trost dafür, dass die Kleinmarkthalle sonntags geschlossen ist. Von Bornheim über das Nordend bis zur Schweizer Straße decken die Cafés den Vormittag ab; ohne Reservierung wird es zwischen zehn und zwölf fast überall eng. Zwei Stunden Minimum, Zeitung inklusive.
15. Apfelweinwirtschaft am Nachmittag. Der zweite Teil des Kleinmarkthallen-Ersatzes: In Sachsenhausen und Bornheim öffnen die traditionsreichen Wirtschaften sonntags durchgehend, und der Nachmittagsschoppen mit Handkäs ist die vielleicht frankfurterischste aller fünfzehn Ideen. Zwei Stunden aufwärts; im Sommer Gartenplätze früh sichern.

Der beste Sonntag kombiniert zwei bis drei Ideen
Die hohe Kunst des Frankfurter Sonntags liegt in der Kombination, und die Stadt ist klein genug dafür: morgens Lohrberg, mittags Frühstück in Bornheim, nachmittags Museumsufer — das ist mit der U4 und einer Tageskarte ein einziger fließender Tag. Oder die Regenvariante: Städel bis zwei, dann Filmmuseum, abends Apfelwein. Wer Besuch von auswärts hat, nimmt die Nummern sechs, dreizehn und zwölf in dieser Reihenfolge und erntet garantiert den Satz, Frankfurt sei ja viel schöner als gedacht.
Mit Kindern gilt eine eigene Arithmetik: eine große Idee pro Tag, nicht drei. Zoo oder Senckenberg füllen einen Vormittag vollständig aus; danach reicht die Energie meist noch für ein Eis am Mainufer, aber nicht für ein zweites Museum. Und für Sparfüchse sei notiert, dass die Hälfte dieser Liste keinen Eintritt kostet — Lohrberg, Stadtwald, Nidda, GrünGürtel, Mainufer und die Altstadtgassen sind gratis, und die Aussicht vom Goetheturm ist es auch. Der Frankfurter Sonntag ist damit ausgerechnet in der Stadt des Geldes einer der günstigsten der Republik.

Und wenn Sie gar nichts planen wollen, gibt es noch die sechzehnte Idee, die keine Nummer braucht: einfach zum Fluss gehen. Auf den Stufen am Eisernen Steg sitzt sonntagabends die halbe Stadt, mit Eis oder Buch oder gar nichts, und schaut zu, wie die Sonne hinter den Türmen verschwindet. Es kostet nichts, es wird nie langweilig, und es ist der Grund, warum der Frankfurter Sonntag keinen geöffneten Einzelhandel braucht. Die Stadt hat Besseres zu bieten — man muss nur hinausgehen.
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