Stadtteile · Erklaerstueck
Der Commerzbank Tower: Norman Fosters grünes Hochhaus
259 Meter, Gärten in luftiger Höhe, eine Fassade, die atmet: Als der Commerzbank Tower 1997 eröffnete, galt er als das erste ökologische Hochhaus der Welt. Wie funktioniert dieser Turm eigentlich?
Am Kaiserplatz, mitten im dichtesten Teil des Bankenviertels, steht das Haus, das seit fast drei Jahrzehnten als höchstes Deutschlands gilt: der Commerzbank Tower. Mit 259 Metern bis zum Dach und rund 300 Metern samt Antenne überragt er seit 1997 alles, was Frankfurt zuvor gebaut hatte. Doch seine wahre Bedeutung liegt nicht in der Höhe, sondern in der Idee dahinter.
Entworfen hat ihn der Brite Norman Foster, einer der einflussreichsten Architekten seiner Generation. Foster wollte kein weiteres versiegeltes Glas-Silo bauen, in dem die Klimaanlage rund um die Uhr läuft. Sein Turm sollte, so das damals kühne Versprechen, das erste ökologische Hochhaus der Welt werden – ein Gebäude, das mit Tageslicht, frischer Luft und echtem Grün arbeitet statt gegen sie.
Gebaut wurde der Turm zwischen 1994 und 1997, nachdem Foster den internationalen Architekturwettbewerb dafür gewonnen hatte. Die Nutzfläche verteilt sich auf 56 Geschosse, getragen von drei Paaren mächtiger Stützen in den Ecken des Dreiecks. Zwischen ihnen spannen sich die Etagen weitgehend stützenfrei, sodass im Innern Raum für das zentrale Atrium und die Gärten bleibt. Bei seiner Eröffnung war der Commerzbank Tower das höchste Bürohochhaus Europas; den Titel des höchsten Hauses in Deutschland übernahm er vom Messeturm und hat ihn bis heute behalten.
Wer das Prinzip verstehen will, muss nach oben denken. Der Grundriss ist ein gleichseitiges Dreieck. An den drei Kanten liegen die Büros, in der Mitte öffnet sich ein hohes, zentrales Atrium, das Tageslicht bis tief ins Innere holt. Und in die Fassade sind, spiralförmig um den Turm verteilt, neun mehrgeschossige Wintergärten eingelassen.

Gärten in luftiger Höhe
Diese Wintergärten sind das Herzstück des Konzepts. Sie sind nicht bloß Dekoration, sondern klimatische Lungen: Über sie zieht frische Luft in die Büros, sie spenden Ausblick und bringen Pflanzen – mediterrane, nordamerikanische, asiatische – in schwindelnde Höhen. Je nach Himmelsrichtung wurde die Bepflanzung variiert, sodass jeder Garten seinen eigenen Charakter hat.
Für die Menschen an ihren Schreibtischen bedeutet das: keine endlose Flucht identischer Flure, sondern immer wieder ein grüner Einschnitt, ein Blick ins Freie, ein Stück Natur hoch über dem Kaiserplatz. Dass ein Bankhaus in den Neunzigern so viel Aufwand für das Wohlbefinden trieb, war bemerkenswert – und wegweisend für vieles, was danach kam.
Ein Turm, der atmet: Öffnende Fensterflügel statt reiner Klimaanlage – das war 1997 eine kleine Revolution.
Ein Turm, der atmet
Die zweite Innovation steckt in der Fassade. Anders als bei den meisten Hochhäusern seiner Zeit lassen sich die Fenster öffnen. Möglich macht das eine doppelte Fassade: Zwischen einer äußeren und einer inneren Glashaut liegt ein schmaler Zwischenraum, der Wind und Wetter abpuffert, sodass selbst in großer Höhe frische Luft einströmen kann, ohne dass es zieht. An vielen Tagen im Jahr braucht der Turm so keine mechanische Kühlung – ein Detail, das den Energieverbrauch spürbar senkt.
Damit wurde der Commerzbank Tower zum Vorbild für eine ganze Generation nachhaltiger Hochhäuser. Was heute selbstverständlich klingt – Tageslicht, natürliche Belüftung, Begrünung –, war damals ein Experiment im Maßstab 1:1, gebaut mitten in eine Stadt, die ihre Skyline gerade erst erfand. Wie sehr das Bankenviertel seither in Bewegung ist, zeigt auch die Debatte um die Zukunft der großen Frankfurter Banken.
Der Riese am Kaiserplatz
Von unten wirkt der Turm fast zurückhaltend, weil ihn die dichte Bebauung des Kaiserplatzes teilweise verstellt. Erst aus der Distanz – vom Mainufer, vom Lohrberg, aus dem einfahrenden Zug – entfaltet sich seine schiere Größe. Auf kaum einem der großen Aussichtspunkte auf die Skyline fehlt seine markante Silhouette, und in jedem Hochhaus-Ranking der Stadt steht er noch immer ganz oben.
Bis heute ist der Turm die Konzernzentrale der Commerzbank – ein Bürohaus im Alltagsbetrieb, nicht nur ein Wahrzeichen. Dass sein Konzept aufging, lässt sich weniger an spektakulären Zahlen ablesen als an einer leisen Selbstverständlichkeit: Tageslicht, Frischluft und Grün gehören heute zum Repertoire jedes ambitionierten Hochhauses. Damals war das ein Wagnis.
Und doch bleibt das Interessanteste unsichtbar: die Haltung, mit der er gebaut wurde. Der Commerzbank Tower war der Beweis, dass ein Wolkenkratzer nicht bloß ein Denkmal der Höhe sein muss, sondern auch ein Versuch, verantwortungsvoller zu bauen. Beinahe dreißig Jahre später klingt dieses Versprechen aktueller denn je.
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