Apfelwein · Getestet

Die 12 besten Apfelweinlokale in Sachsenhausen — getestet

Zwölf Lokale, vier Wochen, dreiundzwanzig Schoppen: Wir haben die Apfelweinwirtschaften von Sachsenhausen getestet — vom Traditionshaus mit eigener Kelterei bis zur Touristenfalle mit Fassade. Drei sind herausragend, sieben solide, zwei können Sie sich sparen.

Von Marie Brandt Aktualisiert am 9 Min. Lesezeit
Kopfsteingepflasterte Gasse in Alt-Sachsenhausen zur blauen Stunde, warmes Licht fällt aus den Fenstern der Apfelweinlokale.
01Alt-Sachsenhausen, 21:20 Uhr— Blaue Stunde in der Klappergasse: Wo Licht aus den Fenstern fällt, wird eingeschenkt.Foto: Zeit Frankfurt

Dreiundzwanzig Schoppen für einen Artikel — das klingt nach einem angenehmen Auftrag, und das war es über weite Strecken auch. Aber es war einer mit Methode: Vier Wochen lang haben wir zwölf Apfelweinwirtschaften in Sachsenhausen getestet, jede mindestens zweimal, immer unangekündigt, immer auf eigene Rechnung. Wir haben reinen Schoppen getrunken und sauergespritzten, Handkäs bestellt und Rippchen, an Werktagen um zwölf und samstags um zehn am Abend. Das Ergebnis vorweg: Die Sorge, die alte Apfelweinkultur sterbe an den Touristenströmen, ist übertrieben. Man muss nur wissen, wo man hingeht — und wo besser nicht.

Ein Wort zur Methode, weil Vertrauen bei Tests alles ist. Bewertet haben wir drei Dinge: den Apfelwein selbst (die Hälfte der Wertung — Frische, Säurespiel, Temperatur, Pflege der Fässer und Leitungen), die Küche (ein Viertel) und das, was sich schwer messen, aber sofort spüren lässt: die Wirtschaft als Ort, samt Bedienung (das letzte Viertel). Nicht bewertet haben wir Folklore. Ob an der Wand ein Bembel-Regal hängt, sagt nichts darüber, was im Bembel ist.

Platz eins geht an ein Haus, das nichts beweisen muss

Zum gemalten Haus

Schweizer Straße · Schoppen 2,60 Euro

Es ist die unbequemste Empfehlung dieses Tests, weil sie so erwartbar ist — und trotzdem führt kein Weg daran vorbei. Der Apfelwein im Gemalten Haus war an allen Besuchstagen der beste der Stadt: strohgold, glasklar im Säurespiel, kellerkalt ohne Eiswürfel-Unfug, aus der eigenen Kelterei. Der Handkäs kommt mit ordentlich Musik — so heißt die Zwiebel-Essig-Öl-Marinade, Musik ist da wirklich keine —, die Bedienung ist auf jene ruppig-herzliche Art aufmerksam, die Auswärtige erst am zweiten Abend als Zuneigung erkennen. Samstags ab acht chancenlos ohne Wartezeit; gehen Sie dienstags.

Fichtekränzi

Wallstraße · Schoppen 2,50 Euro

Das Fichtekränzi ist der beste Botschafter, den der Apfelwein hat: klein, mit Kastanien vor der Tür, drinnen dunkles Holz und Kerzenlicht statt Museumsbeleuchtung. Hier bringen Sie Gäste hin, die Apfelwein bisher für sauren Most halten — der Hausschoppen ist mild genug zum Ankommen und ehrlich genug, um niemanden zu belügen. Die grüne Soße zur Ochsenbrust war die beste des Tests: sieben Kräuter, keine Mayonnaise-Sünden, kalt und dicht, wie es sich gehört.

Dauth-Schneider

Neuer Wall / Klappergasse · Schoppen 2,45 Euro

Die Stärke von Dauth-Schneider ist der Sommer: Der Garten unter den Kastanien am Paradiesplatz ist einer der schönsten Freisitze der Stadt, und er wird auch bei vollem Haus erstaunlich souverän bewirtschaftet. Der Apfelwein ist tadellos, die Portionen sind rustikal bemessen, die Rippchen fielen bei beiden Besuchen butterzart vom Knochen. Dass es drinnen etwas nach Vereinsheim klingt, wenn drei Kegelclubs gleichzeitig singen, gehört zur Wahrheit — und für manche zum Reiz.

Ein Kellner schenkt in einem Apfelweinlokal aus einem grau-blauen Bembel in gerippte Gläser auf einem langen Holztisch ein.
02Gemaltes Haus, 12:05 Uhr— Der erste Bembel des Tages — eingeschenkt wird aus der Hüfte, nachgefragt wird nicht.Foto: Zeit Frankfurt

Das solide Mittelfeld ist die eigentliche gute Nachricht

Hinter dem Spitzentrio folgt, was diesen Stadtteil trägt: sieben Wirtschaften, in denen Sie wenig falsch und vieles richtig machen. Die Atschel (Wallstraße) hat die beste Küche jenseits des Podiums — ihre Frankfurter Schnitzel mit grüner Soße sind ein Argument, das Ranking überhaupt zu ignorieren. Das Lorsbacher Thal (Große Rittergasse) verblüfft mit einer Apfelwein-Karte mit Dutzenden Positionen bis hin zu sortenreinen Speierling-Kreszenzen — wer wissen will, wie weit dieses Getränk reicht, wird hier klüger, zahlt aber Weinlokal-Preise. Das Eichkatzerl (Dreieichstraße) ist die Nachbarschaftswirtschaft, wie man sie sich wünscht, Ebbelwoi Unser (Abtsgäßchen) die jüngste und lauteste der guten Adressen, der Kanonesteppel (Textorstraße) verlässlich bis zur Sturheit. Die Affentorschänke (Neuer Wall) und das Struwwelpeter (Neuer Wall) runden das Feld ab — beide mit Schwankungen in der Küche, beide mit gepflegtem Schoppen.

Auffällig: Die Preisspanne ist klein. Zwischen 2,20 und 3,10 Euro kostete der Schoppen überall — der Apfelwein ist und bleibt das demokratischste Getränk der Stadt. Teurer wird es erst, wenn Flaschen mit Winzeranspruch ins Spiel kommen; das ist eine eigene, spannende Geschichte, aber nicht die der Gaststuben.

Eine kurze Gebrauchsanweisung für Erstbesucher

Weil dieser Test erfahrungsgemäß auch von Zugezogenen und Gästen gelesen wird, hier das Nötigste in Kürze — die Frankfurter unter Ihnen dürfen einen Absatz weiterspringen. Bestellt wird Apfelwein pur („einen Schoppen"), sauergespritzt mit Mineralwasser oder — von Kennern belächelt, von Einsteigern geliebt — süßgespritzt mit Limonade. Serviert wird er im Gerippten, dem Glas mit dem Rautenschliff, der einst dafür sorgte, dass fettige Hände Halt fanden, und heute dafür, dass das Licht schön bricht. Ab vier Personen lohnt der Bembel, der graublaue Steinzeugkrug, den die Bedienung nach Gläserzahl bringt: Ein „Vierer" fasst vier Schoppen. Dazu isst man Handkäs mit Musik — einen marinierten Sauermilchkäse mit Zwiebeln, Essig und Öl, traditionell ohne Gabelbeilagen-Romantik — oder Rippchen mit Kraut. Und man setzt sich dorthin, wo Platz ist, auch an fremde Tische. Das ist keine Zumutung, das ist das System.

Noch ein Wort zur Erwartung: Guter Apfelwein schmeckt herb, trocken und ein wenig widerspenstig — er ist näher am Wein als am Süßmost, mit dem ihn Erstbesucher oft verwechseln. Wenn Ihnen der erste Schluck zu sauer erscheint, geben Sie ihm drei weitere. Fast jede Apfelwein-Biografie, unsere eingeschlossen, beginnt mit einem verzogenen Gesicht.

Ein gutes Apfelweinlokal erkennt man nicht an der Karte, sondern daran, wie es Sie behandelt, wenn Sie nur einen Schoppen bestellen.

Zwei Adressen können Sie sich sparen

Bleiben die zwei Ausfälle, und hier werden wir grundsätzlich. Beide liegen an der Achse durch Alt-Sachsenhausen, über die sich abends die Junggesellenabschiede schieben; beide leben erkennbar davon, dass niemand wiederkommt. Namen nennen wir nach zweimaligem Besuch mit denselben Befunden trotzdem nur beschreibend — die Häuser wechseln Pächter und Konzept schneller, als eine Bewertung altern kann. Sie erkennen den Typus verlässlich an drei Zeichen: laminierte Karten in sechs Sprachen mit Fotos, „Original Frankfurter Stimmung" als Selbstbeschreibung — und Apfelwein, der aus dem Kühlschrank in Literkaraffen ohne Bembel kommt, zu 3,90 Euro, seltsam süßlich und müde. Bei unseren Besuchen war er das mit Abstand Traurigste am ganzen Test. Zwölf Meter weiter, in jeder Richtung, wird es besser.

Was von dreiundzwanzig Schoppen bleibt

Ein einzelnes geripptes Glas mit trübem, goldenem Apfelwein im Fensterlicht auf dunklem, abgenutztem Holz.
03Fichtekränzi, 17:40 Uhr— Das Gerippte bricht das Licht wie ein geschliffener Stein — deshalb hat es die Rauten.Foto: Zeit Frankfurt

Der eigentliche Befund dieses Tests steht nicht in der Wertung. Er lautet: Die Apfelweinwirtschaft ist keine Nostalgieveranstaltung, sondern ein funktionierendes Modell — günstig, unprätentiös, gesprächig. Nirgendwo sonst in Frankfurt sitzen Bankerin, Rentner und Studentin so selbstverständlich an einem Tisch, weil das Prinzip der langen Tafel es schlicht erzwingt. Der Apfelwein selbst, dieses herbe, ehrliche Getränk, ist dabei fast Nebensache und genau deshalb die Hauptsache: Er ist zu billig zum Angeben und zu sauer zum Betrinken — übrig bleibt das Reden.

Bemerkenswert fanden wir auch, was sich verändert hat, seit wir zuletzt systematisch getestet haben. In vier der zwölf Häuser steht inzwischen mindestens ein alkoholfreier Apfelwein auf der Karte, der den Namen verdient; zwei Wirtschaften keltern wieder sortenrein und schreiben die Apfelsorte aufs Schild. Die Küchen sind jünger geworden, ohne dass die Speisekarten in Ironie gekippt wären — der Handkäs bleibt Handkäs, er kommt nur seltener aus der Großpackung. Und das Publikum mischt sich neu: Neben den Stammtischen, die seit Jahrzehnten am selben Haken ihren Bembel hängen haben, sitzen Familien aus dem Nordend und Messegäste mit Rollkoffer. Die Wirtschaften, die diesen Spagat am gelassensten aushalten, stehen in unserer Wertung vorn — das ist kein Zufall, sondern der Kern des Genres.

Kastanienbeschatteter Kiesgarten eines Apfelweinlokals am Abend, lange Holztische, warme Lichterketten, Gäste von hinten.
04Dauth-Schneider, Garten, 20:50 Uhr— Unter den Kastanien wird aus einem Test ein Abend — der Garten leert sich hier nie ganz.Foto: Zeit Frankfurt

Am letzten Testabend, ein Donnerstag, Garten, Kastanien, saß uns ein Ehepaar aus Bornheim gegenüber, das seit vierzig Jahren „über den Main" zum Schoppen geht. Ob wir denn nun das beste Lokal gefunden hätten, wollte der Mann wissen, und lachte, bevor wir antworten konnten. Er hatte ja recht: Das beste Apfelweinlokal ist am Ende das, in dem man Sie irgendwann nicht mehr fragt, was Sie trinken wollen. Unsere drei Erstplatzierten sind der schnellste Weg dorthin.

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