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Fünf Wochenmärkte im Test: Wo Frankfurt am besten einkauft

Ein Warenkorb, fünf Märkte: Die Redaktion hat an der Konstablerwache, in Bornheim, am Friedberger Platz, in Höchst und am Diesterwegplatz eingekauft. Bewertet wurden Auswahl, Preise, Regionalität, Atmosphäre und Freundlichkeit — mit klarem Sieger.

Von Lukas Schardt Aktualisiert am 7 Min. Lesezeit
Marktstände mit bunten Gemüseauslagen unter aufgespannten Schirmen im Morgenlicht, Kundschaft von hinten.
01Erzeugermarkt Konstablerwache, 8:30 Uhr— Bunte Auslagen unter aufgespannten Schirmen: Der Testeinkauf beginnt dort, wo die Erzeuger selbst hinterm Stand stehen.Foto: Zeit Frankfurt

Der Plan war einfach, die Durchführung schweißtreibend: ein identischer Warenkorb, fünf Frankfurter Wochenmärkte, zwei Wochen Zeit. Gekauft wurden jeweils ein Kilo Tomaten, ein Bund Kräuter für die Grüne Soße, zwei Kilo Kartoffeln, sechs Eier, ein Stück Bergkäse, ein Brot und ein Strauß Blumen — dazu notierten wir Preise, Herkunftsangaben, Wartezeiten und die Frage aller Fragen: Wie freundlich ist eigentlich Frankfurts Marktpersonal? Bewertet haben wir fünf Kategorien mit je bis zu zehn Punkten: Auswahl, Preise, Regionalität, Atmosphäre, Freundlichkeit. Am Ende steht ein Sieger, aber auch eine Erkenntnis: Diese fünf Märkte sind fünf verschiedene Städte.

Zur Methode: Eingekauft haben zwei Redaktionsmitglieder, jeweils am Haupttag des jeweiligen Markts, zwischen neun und zwölf Uhr. Gefragt wurde an jedem Stand nach der Herkunft der Ware; als regional werteten wir, was aus einem Umkreis von rund fünfzig Kilometern kommt. Die Freundlichkeit haben wir nicht mit Testkäufer-Tricks provoziert, sondern schlicht erlebt — inklusive der Königsdisziplin, einer erkennbar ahnungslosen Frage nach dem richtigen Käse für Kinder. Nicht bewertet wurde das gastronomische Beiprogramm: Kaffeestände und Weinausschank flossen in die Atmosphäre-Note ein, nicht in die Auswahl. Und ja, alle Einkäufe wurden bezahlt und anschließend gegessen.

An der Konstablerwache verkauft, wer selbst geerntet hat

Der Erzeugermarkt an der Konstablerwache ist das Herzstück des Frankfurter Marktwesens, donnerstags und samstags, mitten auf dem Platz, den sonst niemand freiwillig überquert. Sein Prinzip ist sein Trumpf: Hier stehen überwiegend Direktvermarkter aus dem Umland — der Apfelweinkelterer neben der Gärtnerei, der Metzger aus der Wetterau neben dem Ziegenhof. Unsere Kräuter für die Grüne Soße kamen erwartbar makellos vom Erzeuger; wie die Oberräder Gärtner dieses Kraut kultivieren, haben wir uns bei einem Besuch vor Ort zeigen lassen. Die Tomaten hatten Sortennamen statt Aufkleber, der Käsestand erklärte ungefragt die Reifezeiten, und beim Preis lag der Korb nur wenig über dem Discounter-Niveau für Ware, die damit nichts zu tun hat. Abzüge gibt es für das Ambiente — Betonplatte bleibt Betonplatte. Einzelverdikt: 8,5 Punkte, Testsieger.

Wer den Unterschied zwischen Markt und Markthalle studieren will, geht anschließend die paar hundert Meter zur Kleinmarkthalle — unser Rundgang in zwölf Stationen zeigt, warum beide Welten einander ergänzen, statt zu konkurrieren.

Hände legen Tomaten auf eine altmodische Waagschale, dahinter unscharf der Marktstand.
02Bornheimer Wochenmarkt, 9:40 Uhr— Gewogen wird noch von Hand: Der Testwarenkorb enthält überall dieselben sieben Positionen.Foto: Zeit Frankfurt

Bornheim ist der Allrounder für den echten Alltag

Der Bornheimer Wochenmarkt am Uhrtürmchen, mittwochs und samstags, ist das, was man einen kompletten Markt nennt: Gemüse, Fisch, Geflügel, Blumen, Backwaren, dazwischen ein Kaffeestand mit Stammpublikum, das sich mit Vornamen kennt. Hier kauft das „lebenswerteste Viertel" der Stadt tatsächlich ein, nicht nur zur Show: Rollatoren neben Lastenrädern, Berger-Straße-Bohème neben Bornheimer Urgestein. Unser Warenkorb war der zweitgünstigste im Test, die Eierpreise sogar die besten, die Auswahl beim Käse riesig, die Herkunft allerdings nicht an jedem Stand sauber ausgewiesen — der Anteil von Großmarktware ist sichtbar höher als an der Konstablerwache. Dafür stimmt alles andere, vor allem der Ton: Nirgends wurde so viel gescherzt, beraten und probiert. Dazu kommt die Lage mitten im Geschäftsleben der Berger Straße: Der Markteinkauf lässt sich mit allem verbinden, was das Viertel sonst hergibt — wer samstags gegen zehn kommt, erlebt Bornheim in Bestform. Einzelverdikt: 8,0 Punkte.

Am Friedberger Platz ist der Einkauf Nebensache — und das ist okay

Freitags am Friedberger Platz kauft man streng genommen keinen Warenkorb, sondern ein Lebensgefühl. Vormittags ist der Markt im Nordend ein solider Stadtteilmarkt mit gutem Gemüse und sehr gutem Blumenangebot; ab dem späten Nachmittag verwandelt er sich in Frankfurts berühmtesten Open-Air-Apéro, bei dem halbe Agenturbelegschaften mit Weinglas zwischen den Ständen stehen. Für den Test hieß das: beste Atmosphäre-Wertung des gesamten Feldes, aber Abzüge in der B-Note des Einkaufens — die höchsten Preise im Vergleich, an zwei Ständen keine Herkunftsangaben, und wer nach 17 Uhr Kartoffeln will, braucht Ellenbogen und Geduld. Fairerweise: Die Qualität der Ware selbst war tadellos, beim Obst sogar herausragend — ein Stand hatte die besten Erdbeeren des gesamten Tests. Man muss diesen Markt nehmen, wie er gemeint ist: als Wochenausklang mit angeschlossener Gemüseabteilung. Einzelverdikt: 7,0 Punkte — mit der klaren Empfehlung, zum Einkaufen vor zwölf zu kommen.

Jeder dieser fünf Märkte bedient ein anderes Frankfurt — und alle fünf sind besser als ihr Supermarktregal.

Höchst bleibt der ehrlichste Markt der Stadt

Gestapelte Käselaibe in einer Markttheke, im Hochformat fotografiert.
03Höchster Wochenmarkt, 10:55 Uhr— Käse als Gradmesser: An der Theke zeigt sich, ob ein Markt beraten kann oder nur verkaufen.Foto: Zeit Frankfurt

Auf dem Marktplatz in der Höchster Altstadt, zwischen Fachwerk und Schlossblick, wird nicht inszeniert, sondern eingekauft. Der Höchster Wochenmarkt hatte die günstigsten Preise des gesamten Tests — der Warenkorb kostete gut ein Fünftel weniger als am Friedberger Platz — und die vielfältigste Kundschaft: Der Frankfurter Westen kauft hier über alle Herkünfte und Einkommen hinweg ein, und die Stände haben sich darauf eingestellt, vom türkischen Gemüsehändler bis zum Landbäcker. Die Regionalität ist durchwachsen, die Beratung dafür herzlich direkt; unsere Käsefrage beantwortete die Verkäuferin mit drei Probierstücken und einem Familienrezept. Wer den Ausflug macht, sollte gleich bleiben: Die Höchster Altstadt ist selbst den halben Samstag wert. Einzelverdikt: 7,5 Punkte.

Am Diesterwegplatz kennt der Stand seine Kunden beim Namen

Der kleinste Markt im Test ist der am Diesterwegplatz in Sachsenhausen, zweimal die Woche am Vormittag, kaum mehr als eine Handvoll Stände um den Brunnen. Gerade deshalb gehört er zu den unterschätzten Adressen der Stadt: Was es gibt, ist mit Sorgfalt ausgesucht, das Gemüse kam im Test zur Hälfte aus dem direkten Umland, und die Dichte an Stammkunden ist so hoch, dass Neulinge freundlich durchgereicht werden wie Gäste auf einem Dorffest. Die Auswahl ist naturgemäß begrenzt — wer Spezielles sucht, wird nicht immer fündig, unser Bergkäse etwa musste durch einen (hervorragenden) Schnittkäse ersetzt werden. Preislich lag der Korb im Mittelfeld, bei der Freundlichkeit ganz vorn — Höchstwertung, gemeinsam mit Bornheim. Als Wocheneinkauf für den Alltag im Viertel funktioniert dieser Markt tadellos und menschlich wie kein zweiter. Einzelverdikt: 7,5 Punkte.

Das Fazit fällt eindeutig aus — und fünffach

Rechnet man die Kategorien zusammen, gewinnt der Erzeugermarkt an der Konstablerwache: Er ist der einzige Markt im Test, bei dem Herkunft, Qualität und Preis ein rundum stimmiges Verhältnis eingehen. Aber das Ranking erzählt nur die halbe Wahrheit. Denn getestet haben wir am Ende fünf verschiedene Antworten auf die Frage, wozu ein Wochenmarkt da ist: für das beste Produkt (Konstablerwache), für den Alltag (Bornheim), für das soziale Ereignis (Friedberger Platz), für den ehrlichen Einkauf (Höchst) oder für die Nachbarschaft (Diesterwegplatz). Jeder dieser Märkte bedient ein anderes Frankfurt. Verloren hat in diesem Test eigentlich nur einer: der Samstag ohne Markt. Und wer partout nicht früh aufstehen mag, hat an der Konstablerwache sogar eine Ausrede weniger — der Erzeugermarkt läuft donnerstags bis in den Feierabend hinein.

Noch ein Wort zu den Preisen, weil sie das hartnäckigste Vorurteil betreffen: Ja, der Markt ist in Summe teurer als der Discounter — im Test lagen zwischen dem günstigsten Marktkorb und einer Supermarkt-Referenz rund fünfzehn Prozent. Aber der Vergleich hinkt an der entscheidenden Stelle, der Qualität: Bei Eiern, Kräutern und Saisongemüse war der Unterschied so deutlich, dass man eher fragen müsste, warum der Supermarkt nicht mehr kostet. Wer budgetbewusst einkauft, fährt mit einer simplen Strategie am besten: Grundlagen im Laden, Frisches auf dem Markt — und zwar auf dem, der zum eigenen Alltag passt.

Marktende am Mittag: leere Stände, ein Besen kehrt Gemüseblätter zusammen, tiefstehende Sonne.
04Diesterwegplatz, 13:40 Uhr— Wenn der Besen kommt, ist der Test vorbei: Fünf Märkte, fünf Charaktere, ein Sieger.Foto: Zeit Frankfurt

Um kurz vor zwei, als am Diesterwegplatz der Besen die letzten Gemüseblätter zusammenschiebt, ist der Testkorb zum fünften Mal voll und die Erkenntnis komplett: Frankfurt redet gern über seine Restaurantszene und vergisst dabei, dass die Grundlage jeder guten Küche dienstags bis samstags unter Schirmen auf seinen Plätzen steht. Der Testkorb übrigens wog am Ende jedes Markttags gut acht Kilo — auch das eine Erkenntnis: Ein Netz reicht nicht. Man muss nur früh genug kommen. Und den Bergkäse nicht auf den letzten Markt verschieben.

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