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Löwen Frankfurt: Eishockey am Ratsweg

In der Eissporthalle am Ratsweg lebt eine Sportart, die in Frankfurt oft übersehen wird: Eishockey. Ein Porträt der Löwen Frankfurt, die sich 2022 in die DEL zurückkämpften – und einer Fanszene, die zäh um ihren Platz ringt.

Von Tobias Henn 4 Min. Lesezeit
Volle Ränge in einer Eishockeyarena, helle Eisfläche und Bande im Vordergrund.
01Eissporthalle am Ratsweg, 19:28 Uhr— Kurz vor dem Bully: Die Ränge sind gefüllt, das Eis ist frisch gemacht.Foto: Zeit Frankfurt

Es gibt in Frankfurt einen Sport, der neben dem allgegenwärtigen Fußball sein eigenes, zähes Leben führt und an Spieltagen mehrere Tausend Menschen in eine kühle Halle im Osten der Stadt lockt: das Eishockey. Die Löwen Frankfurt spielen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), der höchsten deutschen Spielklasse, und wer an einem Winterabend einmal in der Eissporthalle am Ratsweg war, versteht schnell, dass diese Sportart in der Stadt mehr Anhänger hat, als die öffentliche Aufmerksamkeit vermuten lässt.

Die Halle am Ratsweg ist kein Prachtbau. 1981 eröffnet, bietet sie rund 7000 Zuschauern Platz, und dass sie ein wenig in die Jahre gekommen ist, macht ihren Reiz nur größer. Man sitzt nah am Eis, spürt die Kälte, hört das Kratzen der Kufen und das Krachen der Körper an der Bande. Kommt ein großer Name wie die Adler Mannheim, die Kölner Haie oder die Eisbären Berlin an den Ratsweg, füllen sich die Ränge bis unters Dach. Eishockey ist ein Sport der Nähe, und wenige Arenen vermitteln das so unmittelbar wie diese, in der man die Spieler atmen sieht.

Vom Neuanfang zurück in die DEL

Die Geschichte der Löwen ist eine von Absturz und Wiederaufstieg. 2010 ging der Vorgängerverein Frankfurt Lions, immerhin deutscher Meister von 2004, in die Insolvenz; die höchste Liga schien für die Stadt verloren. Noch im selben Jahr formierte sich aus der Nachwuchsabteilung ein neuer Klub, der ganz unten in der Regionalliga anfing. Von dort kämpfte er sich Stufe um Stufe nach oben: 2013 der Sprung in die zweitklassige DEL2, dort die Meisterschaften 2017 und 2022 – und mit dem Titel 2022 die Rückkehr in die DEL. Für die Fans, die all das mitgemacht haben, ist jeder Sieg in der höchsten Liga deshalb doppelt wertvoll.

Nahaufnahme von Kufenspuren im Eis und einem Puck an der Bande.
02Bande, Eissporthalle, 20:25 Uhr— Kufenspuren und ein liegengebliebener Puck – der Rhythmus des Spiels im Detail.Foto: Zeit Frankfurt

Ein treuer Kern

Was die Löwen auszeichnet, ist ihr Anhang. Er ist kleiner als der der Eintracht, aber von einer Treue, die man selten sieht. Diese Fans sind auch dann gekommen, als der Verein in der Regionalliga spielte und die Zukunft ungewiss war. Sie haben durchgehalten, gesungen, getrommelt und aus der Halle am Ratsweg einen Ort gemacht, dessen Lautstärke es mit der eines viel größeren Publikums aufnimmt. Sportlich war die abgelaufene Saison 2025/26 ein Rückschlag: Als 13. der Hauptrunde verpassten die Löwen die Playoffs, den Klassenerhalt aber schafften sie. Getragen haben die Fans die Mannschaft trotzdem, Heimspiel für Heimspiel.

Diese Beständigkeit ist im Sport keine Selbstverständlichkeit. Während sich mancher Fußballfan nur zu den großen Spielen einfindet, sind die Eishockeyanhänger die ganze Saison über da, von September bis in den Mai, über drei Drittel und nicht selten bis in die Overtime hinaus. Es ist eine Fankultur, die von der Überzeugung lebt, dass Treue mehr zählt als der Tabellenplatz – auch wenn der Erfolg umso schöner schmeckt, wenn er denn kommt.

Kein Prachtbau, keine Schlagzeilen – und doch trägt eine treue Szene die Löwen seit der Insolvenz von 2010 Stück für Stück wieder nach oben.

Sport im Frankfurter Osten

Die Lage am Ratsweg, zwischen Ostend und Bornheimer Hang, bindet die Löwen an den Frankfurter Osten, einen Teil der Stadt, der sich stark verändert hat und doch seine eigene Identität bewahrt. Wer die Gegend vor oder nach dem Spiel erkunden will, findet in unserem Bornheim-Guide gute Anhaltspunkte. Und wer mit dem Nahverkehr anreist, spart sich die Parkplatzsuche rund um den Festplatz – wie das am besten geht, erklärt unser Überblick zum Deutschlandticket.

Für den Frankfurter Vereinssport sind die Löwen ein wichtiger Baustein. Sie zeigen, dass neben dem Fußball und dem Basketball der Fraport Skyliners noch Platz ist für einen dritten großen Zuschauersport – mit eigener Halle, eigener Kultur, eigener Geschichte. In einer Stadt, die gern nur auf ihre größte Marke schaut, ist diese Vielfalt ein Wert für sich.

Wenn nach dem Schlussdrittel die Lichter hochfahren und die Fans in die kalte Nacht hinaustreten, nehmen sie etwas mit, das im Rummel um Bundesliga und Europapokal leicht untergeht: die Wärme eines Abends, an dem ihr Sport für ein paar Stunden die Hauptsache war. Am Ratsweg, in ihrer eigenen Halle, sind die Löwen genau das.

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