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Sperrmüll, Biotonne, Wertstoffhof: Müll entsorgen in Frankfurt

Zehn Kubikmeter Sperrmüll sind in Frankfurt schon bezahlt — man muss sie nur anmelden. Welche Tonne wofür da ist, wo die neun Annahmestellen liegen, warum kompostierbare Tüten hier verboten sind und weshalb der Schrank am Bordstein seit Oktober 2025 mindestens 1.000 Euro kostet.

Von Imke Sauer 9 Min. Lesezeit
Blick über einen Frankfurter Wertstoffhof mit offenen Containern, Rampe und wartenden Autos am Morgen.
01Wertstoffhof Ost, Weidenbornstraße, 9:05 Uhr— Kofferraum auf, Rampe hoch, Container aussuchen: Der Weg, den in Frankfurt jeder einmal geht — und den kaum jemand vorher erklärt bekommt.Foto: Zeit Frankfurt

Es gibt in Frankfurt eine Erfahrung, die fast alle machen und über die fast niemand spricht: Man steht mit einem alten Sofa im Hausflur und weiß nicht, wohin damit. Dann fragt man Nachbarn, bekommt drei sich widersprechende Antworten, stellt das Sofa abends an den Bordstein — und lernt, dass genau das eine Ordnungswidrigkeit ist. Dabei ist das System, das die Stadt und ihre Entsorgungsgesellschaft FES betreiben, im Kern großzügig und ziemlich klar. Man muss es nur einmal in der richtigen Reihenfolge erklärt bekommen.

Zuständig ist die FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH mit Sitz in der Weidenbornstraße 40 in Bornheim. Sie gehört zu 51 Prozent der Stadt Frankfurt und zu 49 Prozent dem Entsorgungskonzern Remondis. Was sie tun darf und was sie tun muss, steht nicht im Kundenprospekt, sondern in der Abfallsatzung der Stadt Frankfurt am Main; was es kostet, regelt die Abfallgebührensatzung — jene Position also, die am Jahresende auch in Ihrer Nebenkostenabrechnung auftaucht. Beide Dokumente sind der Grund, warum bei der Müllabfuhr so viele Sätze mit „darf nicht" beginnen.

Vier Tonnen, zwei Systeme

Im sogenannten Holsystem — die FES kommt zu Ihnen — gibt es vier Behälter: Restabfall, Bioabfall, Altpapier und Verpackungen. Im Bringsystem — Sie kommen zur FES — landen Glas, Schadstoffe und Elektrokleingeräte. Diese Zweiteilung erklärt fast alle Missverständnisse des Frankfurter Alltags: Wer eine Energiesparlampe in die Restmülltonne wirft, hat nicht nur falsch getrennt, er hat auch den falschen Weg gewählt, weil dieser Abfall grundsätzlich gebracht werden muss.

Die Biotonne ist der Behälter, an dem sich in Frankfurt regelmäßig Streit entzündet. Sie wird auf jedem an die Abfallentsorgung angeschlossenen Grundstück aufgestellt, und es besteht grundsätzlich Benutzungspflicht. Befreien lassen können sich Privathaushalte nur auf schriftlichen Antrag und nur dann, wenn sie nachweisen, dass sie sämtliche Bioabfälle auf mindestens 25 Quadratmetern unbebauter, unversiegelter Fläche selbst kompostieren. Die Tonne gibt es in 120 und 240 Litern, geleert wird alle 14 Tage. Eine eigene Gebühr kostet sie nicht: Sammlung und Verwertung des Bioabfalls werden über die Gebühr für die Restmülltonne finanziert. Mieterinnen und Mieter bekommen die Tonne nicht selbst bestellt — dafür ist die Hausverwaltung zuständig.

Hinein dürfen alle biologisch abbaubaren Abfälle aus dem Haushalt: Obst- und Gemüsereste, gekochte und rohe Speisereste, Kaffeesatz, Teebeutel, Laub und Gartenabfälle. Nicht hinein dürfen Hygieneartikel, Zigarettenkippen, Katzenstreu, Flüssigkeiten wie Suppen und Soßen sowie gewerbliche Speiseabfälle. Und dann ist da die Regel, an der die meisten scheitern: Kompostierbare Kunststoffbeutel, auch die aus Maisstärke, sind für die Sammlung von Bioabfällen in Frankfurt am Main nicht erlaubt. Wer feuchte Küchenabfälle einwickeln möchte, nimmt Zeitungspapier oder Küchenpapier. Die grün bedruckte Tüte aus dem Supermarkt hilft hier niemandem.

Vier Mülltonnen unterschiedlicher Deckelfarbe nebeneinander in einem gepflasterten Hinterhof.
02Hinterhof im Nordend, 7:30 Uhr— Restabfall, Bioabfall, Altpapier, Verpackungen: vier Tonnen im Holsystem — Glas und Schadstoffe müssen die Frankfurter selbst wegbringen.Foto: Zeit Frankfurt

Sperrmüll: zehn Kubikmeter sind schon bezahlt

Der wichtigste Satz dieses Guides lautet: Die Entsorgung von bis zu zehn Kubikmetern Sperrmüll ist in Ihrer Abfallgebühr bereits enthalten. Größere Mengen kosten zusätzliche Gebühren, aber zehn Kubikmeter sind eine ganze Wohnungsauflösung. Der Service steht allen offen, die an die gebührenpflichtige Abfallsammlung angeschlossen sind — also praktisch jedem Frankfurter Haushalt.

Angemeldet wird der Termin auf vier Wegen: online über die Seite der FES, über die FES-App, rund um die Uhr telefonisch unter 0800 2008007-10 oder persönlich im FES-Servicecenter in der Insel für Klima und Nachhaltigkeit, Zeil 129 an der Hauptwache, montags, dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 13 und von 13.30 bis 18 Uhr, mittwochs bis 14 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr. Wichtig ist die Vorlaufzeit: Zwischen Terminvergabe und Abholung können rund zehn Arbeitstage liegen. Wer am Samstag die Wohnung übergeben muss, ruft also nicht am Mittwoch davor an. In bestimmten Wohnanlagen läuft die Abholung ohnehin anders, nämlich als sogenannte Siedlungsabfuhr zu festen Terminen alle vier Wochen; die erfährt man über das Servicetelefon oder bei der Wohnungsgesellschaft.

Was als Sperrmüll gilt, definiert die FES mit einer Faustformel, die man sich merken kann: alle sperrigen Gegenstände, die Sie bei einem Umzug mitnehmen würden. Dazu kommen Elektrogeräte ab einer Kantenlänge von etwa 40 Zentimetern sowie unverklebte Reste von Teppichböden und Laminat ohne Trittschalldämmung in haushaltsüblichen Mengen. Nicht abgeholt werden Einbauten wie Fenster und Türen, sanitäre Einrichtungen, Kleinabfälle — auch nicht in Tüten oder Kisten —, Schadstoffe wie Lacke, Farben, Sprays, Batterien und Leuchtstoffröhren sowie gewerbetypische Abfälle und Autoreifen. Im Zweifel hilft das Abfall-ABC der FES, das online und in der App liegt.

Zu frühes oder unangemeldetes Herausstellen von Sperrmüll ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit Bußgeld belegt werden kann.

Aus der FES-Broschüre „Wertstoffhof oder Sperrmüllservice?", Stand Juli 2025

Bleiben die Regeln für den Abholtag selbst, und die sind strikt. Der angemeldete Sperrmüll muss am Morgen des Abholtermins bis 6 Uhr bereitstehen, frühestens jedoch am Abend vorher. Er soll leicht zugänglich in Straßennähe liegen, ohne jemanden zu behindern. Und er muss getrennt bereitgestellt werden, weil ihn drei verschiedene Fahrzeuge abholen: eines für Elektrogeräte, eines für Altmetall und Holzteile, eines für den restlichen Sperrmüll wie Matratzen. Wer alles auf einen Haufen wirft, verzögert nicht nur die Tour, er sabotiert die Verwertung.

Selbst hinfahren: der Kofferraumservice

Wer nicht warten will, fährt selbst. Neun Annahmestellen verteilen sich über das Stadtgebiet, vier davon sind klassische Wertstoffhöfe: Nord in der Max-Holder-Straße 29 in Kalbach-Riedberg, Ost in der Weidenbornstraße 40 in Bornheim, Süd in der Seehofstraße 48 in Sachsenhausen und West in der Palleskestraße 36 a in Höchst. Alle vier haben montags bis samstags von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Nord und West sind die beiden Alleskönner: Dort werden zusätzlich Akten, Altholz, Altreifen, Bauschutt und Baumischabfälle gegen Entgelt angenommen, dort gibt es Komposterde zu kaufen, und dort ist die Abgabe von Schadstoffen möglich.

Dazu kommen Spezialisten. Das GWR Recyclingzentrum in der Lärchenstraße 131 in Griesheim öffnet montags bis donnerstags von 7.30 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 14.30 Uhr, nimmt aber weder Altpapier noch Altkleider noch Verpackungen. Die RMB Rhein-Main Biokompost in der Peter-Behrens-Straße 8 im Osthafen ist ausschließlich für Grünschnitt bis drei Kubikmeter und Speiseölreste da. Die Abfallumladeanlage in der Uhlfelder Straße 10, ebenfalls Osthafen, hat samstags von 7 bis 13 Uhr auf und nimmt gebührenpflichtig kleine Mengen Bauschutt und Baustellenabfälle bis maximal einen Kubikmeter an — Elektro- und Elektronikgeräte dort gebührenfrei. Und im Osten gibt es zwei Kleinmüllplätze, am Landgraben außerhalb von Bergen und an der Barbarossastraße außerhalb von Enkheim, mit saisonalen Zeiten: von April bis September montags bis samstags 8 bis 17 Uhr, von Oktober bis März 10 bis 16 Uhr. Elektrogeräte, Batterien, Leuchtstoffröhren und gefährliche Abfälle werden dort nicht angenommen.

Alte Matratzen, ein Sessel und ein Regal stehen ordentlich getrennt am Straßenrand vor einer Hauswand, Hochformat.
03Bordstein in Bockenheim, 6:00 Uhr— Getrennt bereitgestellt, weil drei verschiedene Fahrzeuge kommen: Elektrogeräte, Altmetall und Holz, restlicher Sperrmüll.Foto: Zeit Frankfurt

Für die Selbstanlieferung gilt der sogenannte Kofferraumservice, und auch der folgt der Abfallsatzung. Erlaubt ist die Abgabe haushaltsüblicher Abfälle, aber ausdrücklich kein Restmüll; typisch gewerbliche Dinge wie Kühl- oder Schanktheken werden nicht angenommen. Die Menge ist auf einen Kofferraum voll begrenzt, maximal einen Kubikmeter — einzige Ausnahme ist Grünschnitt mit drei Kubikmetern. Weil die Entsorgungskosten schon in der Abfallgebühr stecken, dürfen den Service nur Frankfurter Bürgerinnen und Bürger sowie angeschlossene Gewerbetreibende nutzen; Ausweis oder Gebührenbescheid sollte man dabeihaben. Abgeben kann man unter anderem Sperrmüll, Metall, Verpackungen, Altpapier und Pappe, Grünschnitt, unbehandeltes Holz und Möbelholz, Elektrogroß- und -kleingeräte, CDs und DVDs, Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren, Batterien und Akkus (höchstens eine Autobatterie), Naturkorken, Altkleider, Schuhe und Altglas.

Zwei Details, an denen regelmäßig Wochenenden scheitern: Farben, Lacke und Chemikalien darf man außerhalb der Wertstoffhöfe Nord und West nur abgeben, wenn gerade ein Schadstoffmobil an der Stelle steht — die Termine stehen im Netz, in der FES-App und im FES-Magazin OSKAR. Und rund zehn Minuten vor Betriebsschluss wird niemand mehr eingelassen. Über die Annahme entscheidet in jedem Fall das Fachpersonal vor Ort.

Nicht alles muss überhaupt auf einen Hof. Für Altglas, Schadstoffe und Elektrokleingeräte gilt in Frankfurt ohnehin das Bringsystem, und für Glas heißt das im Alltag: der nächste Containerstandort im Viertel. Wann welche Tonne vor der eigenen Tür geleert wird, steht im Abfallkalender, den die FES für jede Adresse führt; er ist online und in der App abrufbar und beantwortet die zweithäufigste Frage von Zugezogenen — die häufigste ist die nach dem Sperrmüll. Für alles Übrige gibt es das Servicetelefon 0800 2008007-0, an dem man auch die Fragen loswird, die in keiner Broschüre stehen.

Wer Dinge loswerden will, die noch funktionieren, hat einen fünften Weg: Elektro- und Haushaltsgeräte, Geschirr oder Töpfe lassen sich über das von der FES beworbene Spendenportal spenden.reyours.de weitergeben. Es ist die einzige Variante, bei der am Ende kein Container beteiligt ist.

Was 2026 teurer wird — und warum

Über die Gebühren wurde in diesem Jahr ungewöhnlich viel geredet. Die Stadt hat angekündigt, dass die Abfallgebühren im niedrigen zweistelligen Prozentbereich steigen. Eine Anpassung zum 1. Januar 2026 war nicht mehr zu schaffen; die neue Gebührensatzung soll voraussichtlich im weiteren Verlauf des Jahres 2026 in Kraft treten. Die Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodriguez hat die Stadtverordnetenversammlung darüber informiert.

Der Grund liegt in einem Vertragswerk, das die Öffentlichkeit selten sieht: den Festpreisvereinbarungen zwischen Stadt und FES. Die vorherige Festpreisperiode lief bis Ende 2025; die neuen Vereinbarungen für die Jahre 2026 bis 2030 kamen erst Mitte Dezember 2025 zustande, weil die Verhandlungen sich länger hinzogen als erwartet und umfangreiche Prüfungen durch zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nötig waren. Zur Größenordnung: Für Sammlung, Betrieb der Wertstoffhöfe und Schadstoffsammlung lag der Festpreis im Jahr 2025 bei rund 70 Millionen Euro. Wer wissen will, warum die Müllgebühr in Frankfurt steigt, muss also nicht auf den Weltmarkt für Altpapier schauen, sondern auf diese Zahl und die Kostenentwicklung dahinter.

Der teuerste Fehler: das Sofa am Bordstein

Bleibt der unangenehme Teil. Frankfurt hat ein handfestes Problem mit illegal abgestelltem Abfall — das Amt für Straßenbau und Erschließung entfernt jährlich rund 3.000 illegale Ablagerungen im Stadtgebiet, besonders häufig in Kleingartenanlagen. Die Stadtpolizei verzeichnete 2023 mit 2.077 Abfallermittlungen so viele wie nie zuvor, ein Plus von 19 Prozent gegenüber 1.746 Ermittlungen im Vorjahr; 684 Ordnungswidrigkeitsverfahren wurden eingeleitet.

Die Stadt hat darauf mit dem Geldbeutel reagiert. Seit dem 1. Oktober 2025 kostet das achtlose Wegwerfen von Abfällen 120 Euro statt bisher 55 Euro. Für illegal entsorgten Sperrmüll werden mindestens 1.000 Euro fällig — zuvor waren es 250. Das ist eine Vervierfachung, und sie trifft ausgerechnet jene Situation, die im Alltag am häufigsten vorkommt: den Schrank, der abends rausgestellt wird, weil am nächsten Morgen der Möbelwagen kommt.

Der Vergleich lohnt sich deshalb ganz nüchtern. Ein Anruf bei der FES kostet nichts, die Abholung von bis zu zehn Kubikmetern kostet nichts, der Weg zum Wertstoffhof kostet ein paar Kilometer und ein bisschen Rückenmuskulatur. Der Schrank am Bordstein kann vierstellig werden. Das ist, in Zahlen, das ganze Argument.

Ein Mann von hinten schiebt einen Sack Grünschnitt über eine Betonrampe zu offenen Containern, kein erkennbares Wahrzeichen.
04Wertstoffhof Süd, Seehofstraße, 16:20 Uhr— Zehn Minuten vor Betriebsschluss ist Schluss mit Einlass — das steht so in der Broschüre und wird auch so gehandhabt.Foto: Zeit Frankfurt

Ein letzter praktischer Hinweis, den man nirgends aufgedruckt findet: Die beiden Wertstoffhöfe Nord und West sind die einzigen, an denen sich fast alles auf einmal erledigen lässt — Sperriges, Altholz, Reifen, Bauschutt, Schadstoffe. Wer eine Wohnung auflöst und nur einen Samstag hat, fährt dorthin, auch wenn ein anderer Hof näher liegt. Und wer den Kofferraum sortiert packt, statt alles hineinzuwerfen, verlässt das Gelände in zehn Minuten statt in vierzig. Frankfurt macht es einem beim Müll nicht schwer. Es erklärt es einem nur nicht.

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